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Klappentext (31.12.2004)

Wir haben sie satt die wahnsinnigen Killer die massenmordend Berge von zerstückelten Leichen produzieren die von coolen taffen Gerichtsmedizinerinnen bis ins letzte Fitzelchen obduziert werden haarklein und genüsslich beschrieben von Marketing-Autoren, die den Trend-Trieb zur Leichenfledderei bedienen . . .
. . . genug geschimpft ohne Punkt und Komma, hier zwei schöne Gegenbeispiele: Reginald Hill und Nicolas Remin.

Die Zeit feiert Hills »Ins Leben zurückgerufen« (Europa, 19,90 Euro, ISBN 3-203-78011-9) als »einen der besten Krimis des letzten Jahrzehnts«, der Spiegel meint, »Ruth Rendell, P. D. James oder Donna Leon sehen daneben alt aus«, und die »alte« Leon preist »die Intelligenz, den flotten Humor, die Leidenschaft und einen Stil, der Eleganz und Anmut verbindet«. Leicht übertrieben. Aber wirklich nur leicht. Ein schöner, runder, schnörkelloser Krimi, dessen Skalpell das Wort ist und dessen Witz schneidend (»Du bist so nervös wie ein Kaplan bei seinem ersten Chorknaben«). Kleine Schludrigkeiten in der Übersetzung (»Das Flinte war voll funktionsfähig«) seien nur erwähnt, weil’s sonst zuviel der Lobreden wäre.

Nicolas Remins (Jahrgang 1948) spätes Roman-Debüt »Schnee in Venedig« (Kindler, 19,90 Euro, ISBN 3-463-40465-6) spielt im 19. Jahrhundert und hat mit dem adligen Commissario Tron einen Vorgänger von Leons Brunetti zum Helden. Venedig, Maskenball, bröckelnde Palazzi, morbider Charme, nackte junge Tote, sogar Kaiserin Elisabeth von Österreich mischt munter mit – fast zuviel der bewährten Ingredienzen für ein Erfolgsrezept, aber Remin bereitet sie schmackhaft zu, macht Appetit auf mehr Fälle von Commissario Tron, die auch schon angekündigt sind.

*Den nächsten »Lese-Bogen« wird Hans Zippert (»Zippert zappt«/ Welt) ausfüllen. Ihm genügte als Referenz unser Hinweis auf die heutige Ausgabe: »Wenn Eva Demski ihn ausfüllt, dann mach’ ich das natürlich auch.« (gw)

Baumhausbeichte - Novelle