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Klappentext (31.10.2009)

Die novembrigen Gefühle nahen, dass es eine morbide Lust und Last ist. Sie prägen auch diese Bücherseite, obwohl bei Simon Borowiak Witz und Komik zu dominieren scheinen. Aber bei ihm, gerade bei ihm, ist der Humor schwarz, und den Leser beschleicht das Gefühl, dass hier jemand mit seinem eigenen Entsetzen Scherz treibt und schreibt.
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Ginge man mit schwarzem Humor ans »Nachgehakt«-Thema, müsste zum Anschreiben prominenter Menschen gegen Krankheit und Tod festgestellt werden, dass das Unvermeidliche in jedem Fall auf dem kranken Fuße folgt: der Bestseller-Spitzenplatz. Das andere Unvermeidliche ereilt uns alle, früher oder hoffentlich sehr viel später, und die Geschichte dazu landet auf keiner aktuellen Bestsellerliste, sondern bleibt bestenfalls dauerhaft im Herzen von einigen lieben Angehörigen.
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Bevor wir uns in novembriger Melancholie suhlen, lassen wir uns von Douwe Draaisma ein wenig Mut machen beziehungsweise das Altern etwas entspannter angehen. »Die Heimwehfabrik« war ein Hit in Holland und beschreibt in holländisch-lässigem Grundton, wie unser Gedächtnis funktioniert, wenn wir älter werden.
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Der morbide Charme von Nicolas Remins Venedig des 19. Jahrhunderts und speziell seines Commissarios Tron darf auf dieser Seite nicht fehlen. Das »Requiem am Rialto«, Trons fünfter Fall, geht buchstäblich an die Leber.
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Apropos Leber: Simon Borowiak hat auch ein bewegend-witziges Sachbuch über seine Alkoholabhängigkeit (»Alk«/Eichborn-Verlag) geschrieben. »Die Entgiftungsstation ist der einzige Ort auf Erden, wo Sie bereits beim Einchecken gefragt werden, ob Sie etwas aus der Minibar hatten«, heißt es im Kapitel »Es geht ein Entzug nach nirgendwo«.
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Als Simon Borowiak noch Simone hieß, dichtete er/sie für »Titanic« unter dem Titel »Hessen nimmt Abschied« über den an Aids gestorbenen Queen-Sänger Freddy Mercury: »Mit fünfundverzisch war schon Schluss, / Des kam vom vielen Koitus. / Der Fred war schwul als wie die Nacht, / drum hat er’s auch nicht lang gemacht. / Dabei konnt’ der doch so schön singe! / Was muss er da noch Kerls bespringe! / Wär er net rein in jedes Bett, / könnt’ er noch leben, unsän Fred.«
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Schwarzer Humor der krass-grandiosesten Art. Wer wie Borowiak die Irrwitzigkeit des Lebens am eigenen Leib und in der eigenen Seele hautnah spürt, der hat wohl die kürzeste psychosomatische Verbindung zu irrem Witz.
(gw)

Baumhausbeichte - Novelle