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Klappentext (23.10.2004)

Schon über drei Millionen Menschen haben den »Untergang« im Kino gesehen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Joachim Fest und den Erinnerungen der Hitler-Sekretärin Traudl Junge – das eine wurde gut verkauft, das andere sogar ein Bestseller. Aber die Auflagen erreichten nur einen Bruchteil der Kino-Quote. Ist der Film das bessere Buch, das modernere?

Frage an einen Bestseller-Lieferanten (vor ein paar Tagen in der SZ): Werden die großen Geschichten heute nicht mehr in Romanen, sondern mit Filmen erzählt? Antwort von John Irving: »Das ist aufgeblasenes Hollywood-Geschwätz.«

Der Kinofilm vom »Untergang« verleitet die Spätgeborenen zu allerlei Hitler-Deuterei. Auch da ist viel aufgeblasenes Geschwätz zu hören und zu lesen. Wir empfehlen daher als erhellendes Buch zum Film der letzten Tage Hitlers noch einmal die »Geschichte eines Deutschen« (DVA – 19,90 Euro – ISBN 3-421-05753-2) in der ein 32-jähriger Sebastian Haffner schon 1939 notiert hat: »Die Zuhälterfrisur; die Talmieleganz; (…) die wilde Gestikulation, der Geifer, der abwechselnd flackernde und stiere Blick (…) Die meisten der Leute, die ihm 1930 im Sportpalast zuzujubeln begannen, hätten es wahrscheinlich vermieden, sich von diesem Mann auf der Straße Feuer geben zu lassen. Aber hier zeigte sich bereits das Seltsame: die Faszination gerade des ganzen Widerlichen, Pfuhlhaften, triefend Eklen – wenn es auf die Spitze getrieben wird.«

Auch Haffners Buch war – sehr zu Recht – ein Bestseller. Aber wie hoch ist die Auflage eines »normalen« Romans? Bei Suhrkamp liegt sie im Schnitt bei etwa 4000 – erst bei ungefähr 7000 erreicht der Verlag Kostendeckung. Lyrik-Auflagen selbst renommierter Dichter schaffen sogar kaum die Tausender-Marke. Zum Ausgleich müssen »Kauf-Kühe« her, aber die sind nicht beliebig produzierbar. Letzter großer, unerwarteter Erfolg: Frank Schätzing verkaufte einen riesigen »Schwarm« von 250 000 Büchern seines Sensationserfolges.

Baumhausbeichte - Novelle