Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Klappentext (18.11.2007/Frank Schulz)

Bodo, früher ein schwerer Trinker, ist nach längerem Aufenthalt in einem Sanatorium nach Griechenland ausgewandert, führt dort in einem kleinen Dorf ein asketisches Leben, im Gegensatz zu seinen deutschen und griechischen Freunden. Doch dann taucht Monika auf, die ihn dunkel an jemanden erinnert . . . »Ein wundersames, wunderbares, sprachmächtiges, unfassbar witziges deutsches (ja, trotz Ouzo und Hellas) Heimatbuch. Schulz schreibt und beschreibt das, was sich in Griechenland anbahnt (und in Rückblenden, was in frühen Jugendjahren in norddeutscher Heimat geschah), umwerfend komisch und tragisch, grotesk und feinsinnig zugleich. Ein Jahrzehnt-Roman. Eine Offenbarung.« – Genau ein Jahr ist es her, auf der Bücherseite derart ins Schwärmen geraten zu sein – über Frank Schulz’ letzten Band seiner »Hagener Trilogie«: »Das Ouzo-Orakel«. Nichts davon ist zurückzunehmen . . .

. . . aber: Trilogie? Also, unvermeidlich, die ersten beiden Bände gekauft, »Kolks blonde Bräute« und »Morbus fonticuli«. Zu lesen begonnen. Statt Begeisterung Enttäuschung. Die auch ausgedrückt (Bücherseite vom 26. 10. 2006). Ziemlich rüde. Soll hier nicht und sowieso nicht wiederholt werden.

Weil: Beim ersten Mal nach nur flüchtigem Überlesen von norddeutscher Lautschrift und schwer Säufer-Balladeskem aufgegeben und drauflos gemeckert. Mittlerweile aber einen neuen Versuch unternommen. Die Dialoge nicht mehr als Hesse verständnislos überhudelt, sondern fast buchstabierend gelesen, die Feinheit der Sprache und die treffsicheren Beobachtungen bewundert. Beim immer faszinierteren Festlesen zwar anfangs manchmal gedacht: Wieso legt Schulz seinen Ehrgeiz daran, sein riesiges Talent mit detailliertester Beschreibungskunst von soeben Erbrochenem zu beweisen? Doch bald schon wird das abstoßend wirken Könnende (und Sollende?) im »Kolk« überlagert von einer melancholischen, tragikomisch anrührenden Stimmung, in die Schulz seine Leser führt, die bisweilen nicht wissen, ob sie lachen, weinen oder einfach nur die Sprachkunst genießen sollen, die dann im monumentalen »Morbus« (736 Seiten plus Anhang) auf einsame Höhen getrieben wird.

Ein Zurücksaufen in die Geborgenheit von Kindheit und Heimat, das ein Schrei – oder, um im Ton zu bleiben: ein Lallen und Furzen – nach Liebe ist, ein Nichterwachsenwerdenwollen, das nicht funktioniert: Kolk und Morbus fonticuli begeistern (mich) zwar nicht so hemmungslos wie das einzigartige Ouzo-Orakel, sind aber schmerzhaft-schön zu lesen – und müssen so auch zu schreiben gewesen sein. Stimmt’s, Autor?

Wir fragen nach.

Also: »Dichter ran«! (gw)

Baumhausbeichte - Novelle