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Frage-/Lesebogen (Eva Demski, Schriftstellerin)

Liebster erster Satz: »Der Sonntag hat in jeder Stadt seine besondere Art, und nicht nur der Sonntag als solcher, sondern jeder Sonntag des Jahres und der Jahreszeit anders, und nicht nur in jeder Stadt, sondern in jedem Bezirk und Kirchsprengel verschieden. Den Sonntag verstehn am besten die Kinder, die sehr alten Leute und die Armen, die sich ergeben haben.« »Die Geschwister von Neapel« von Franz Werfel – leider zwei Sätze!
Mein 1. Buch: Alle Dr. Doolittles, noch heute sehr geliebt.
Zur Zeit lese ich: Amos Oz, »Eine Geschichte von Liebe und Finsternis«.
Als nächstes Buch lese ich: Juli Zeh, »Spieltrieb«.
Wann lesen Sie? Morgens, mittags, nachts.
Was lesen Sie? Alles, was mich in den ersten zehn Seiten nicht langweilt.
Wo lesen Sie? Küchentisch, Couch, Bett, Garten, Zug, und da, wo Sie denken, auch.
Lieblingsbuch: Heute Klaus Bednarz: »Am Ende der Welt«. Morgen wird’s ein anderes sein. In der Ewigkeitsliste: »West-Östlicher Diwan«, »Doktor Faustus«, »Radetzkymarsch«, »Schau heimwärts, Engel«, »Mein Leben« und hundert andere.
Lieblingsautor: Sie wechseln ständig, aber Joseph Roth und Stephen King gehören unbedingt dazu.
Ärgerlichstes Buch: »Sophies Welt«.
Liebster Roman-Held: »Der Graf von Monte Christo«.
Liebste Roman-Heldin: Maupassants »Fettklößchen« – wenn eine Novellenheldin gestattet ist!
»Bösester« Roman-Schurke: So wirklich richtig und nur böse? Das gibt’s nicht in Romanen, nur in der Wirklichkeit.
Liebste Comic-Figur: Schweinchen Schlau.
Dieses Buch hat mich bewegt: Reich-Ranicki, »Mein Leben«.
. . . verändert: Emma Goldman, »Gelebtes Leben«.
. . . zu Tränen gerührt: Die von Eckhard Henscheid bei Reclam herausgegebenen Tiergeschichten. Ich habe so geheult, dass ich sie nicht zu Ende lesen konnte.
. . . zum Lachen gebracht: Oliver Maria Schmitt, »Die schärfsten Kritiker der Elche«.
. . . klüger gemacht: Das waren viele, hoffe ich.
. . . toleranter gemacht: Keins. Was soll einen denn ein Buch tolerieren lehren? Grammatikfehler? Doofe Storys?
Überschätzter Autor: Oh je.
Unterschätzter Autor: Unter tausend anderen Fritz Grasshoff.
Gute Krimis sind . . . absolut lebensnotwendig.
Schlechte Romane sind . . . für mich nach maximal dreißig Seiten aus, weil ich nicht weiterlese.
Bestseller-Listen sind . . . nett zum Draufstehen.
Wie viele Bücher haben Sie gelesen? Weiß ich nicht, wirklich! Jedenfalls deutlich über dem deutschen Durchschnitt!
. . . lesen Sie im Monat im Schnitt? Fünf bis zehn.
. . . stehen in Ihrem Bücherschrank? Ich hab keinen Bücherschrank, nur Regale, und die reichen nie.
Wieviel Geld geben Sie im Monat für Bücher aus? Nicht so viel, ich bekomme ziemlich viele geschickt.
Wenn mein Bücherschrank überfüllt ist . . . wird ausgemistet und weitergegeben, Krimis werden sofort nach dem Lesen in einen speziellen Freundinnenverteiler eingespeist. Anderes dauert immer sehr lang, wegen zeitraubenden Festlesens.
Leihen Sie Bücher aus? Sehr selten.
Verleihen Sie Bücher? Ungern.
Eselsohren sind . . . bei Taschenbüchern keine Todsünde.
Menschen, die keine Bücher lesen, sind . . . Bewohner eines ganz fremden, seltsamen und lichtlosen Kontinents.
Liebster Schluss-Satz: Der ist viele Seiten lang und endet: »Ja sag ja meine Bergblume und ich hab ihm zuerst die Arme um den Hals gelegt und ihn zu mir niedergezogen daß er meine Brüste fühlen konnte wie sie dufteten ja und das Herz ging ihm wie verrückt und ich hab ja gesagt ja ich will Ja.« (James Joyce, »Ulysses«). (gw/31.12.2004)

Baumhausbeichte - Novelle