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Frage-/Lesebogen (Andreas Maier, Schriftsteller)

Liebster erster Satz: »Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.« Für Kapitel: »Mit dem Typhus ist es folgendermaßen bestellt.«
Mein 1. Buch: Das Nibelungenlied.
Zur Zeit lese ich: Die Kartause von Parma.
Als nächstes Buch lese ich: Der Jüngling, Dostojewski.
Wann lesen Sie? Immer und dann wieder nie, oder umgekehrt.
Was lesen Sie? Alles, was mich zugleich quält und begeistert. Kaum Gegenwartsliteratur.
Wo lesen Sie? Ganz verschieden. Wo es leise ist. Wo Stimmen nicht zu nah sind. Wo kein Fernseher ist.
Lieblingsbuch: Die Brüder Karamasow.
Lieblingsautor: Dostojewski.
Ärgerlichstes Buch: Keine Ahnung. Würde ich nicht zu Ende lesen. Kann es also nicht beurteilen.
Liebster Roman-Held: Komischerweise vielleicht Hans Castorp? Oder ganz anders: Johannes in Hamsuns Victoria? Oder Don Quijote? Oder Fürst Myschkin? Velten Andres in Raabes Akten aus dem Vogelsang?
Liebste Roman-Heldin: Nastasja Filippowna Baraschkowa.
»Bösester« Roman-Schurke: Kann ich nicht beurteilen. Ich finde den Pomuchelskopp samt Familie (in Ut mine Stromtid) ziemlich unangenehm. Das Böse gibt es ja nicht. Nie in so komprimierter Form. Das Böse ist eher das völlig Normale.
Liebste Comic-Figur: O je. Einige Nebenfiguren bei Asterix.
Dieses Buch hat mich bewegt: Bitte? Alle Bücher haben mich bewegt, alle, die ich zu Ende gelesen habe.
. . . verändert/zu Tränen gerührt/ zum Lachen gebracht: Gleiche Antwort.
. . . klüger gemacht? »Klug« ist eine mir nicht geläufige Kategorie, siehe »böse«.
. . . geärgert: Keins. Obwohl ich sagen muss, dass »Die Entflohene« in der »Recherche« mich schon ziemlich an den Rand des Widerwillens gebracht hat. Es war unglaublich langweilig.
. . . toleranter gemacht: Eine mir nicht geläufige Kategorie, siehe »klug« und »böse«.
Überschätzter Autor: Joyce und tausend andere.
Unterschätzter Autor: Auch Tausende. Der späte Wilhelm Raabe. Lukrez. Swift im vierten Kapitel von Gullivers Reisen. Peter Kurzeck. Grimmelshausen liest ja auch keiner. Aktuelles Beispiel: Gerhard Kelling.
Gute Krimis sind . . . eine mir nicht geläufige Gattung.
Schlechte Romane sind . . . für mich nicht zu lesen. Ich kann einfach nicht. Verliere die Aufmerksamkeit.
Bestseller-Listen sind . . . Listen von Büchern, die ich meistens nicht lese.
Wie viele Bücher haben Sie gelesen? Ich habe auf jeden Fall mehr Weinflaschen getrunken.
. . . lesen Sie im Monat im Schnitt? Manchmal keins, manchmal fünfzehn. Keine Ahnung. Ich zähle nicht. Ich lese übrigens oft dieselben Bücher dreimal, viermal, fünfmal.
. . . stehen in Ihrem Bücherschrank? Nicht viele.
Wie viel Geld geben Sie im Monat für Bücher aus? Ich gebe schon lange fast überhaupt kein Geld mehr für Bücher aus. Früher nahezu jeden Tag.
Wenn mein Bücherschrank überfüllt ist . . . kaufe ich einen zweiten.
Leihen Sie Bücher aus? Ja.
Verleihen Sie Bücher? Ja. Komische Frage.
Eselsohren . . . habe ich noch nie gemacht. Nie drüber nachgedacht.
Menschen, die keine Bücher lesen . . . sind mir höchst sympathisch.
Liebster Schlusssatz: Nach wie vor: »Kein Geistlicher hat ihn begleitet.« (Goethe) (gw/18.12.2004))

Baumhausbeichte - Novelle