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Die deutsche Mutter von Donald Duck (Dr. Erika Fuchs)

Für ihre vielen Fans ist sie eine lebende Legende: Dr. Erika Fuchs (98), die erste Chefredakteurin der deutschen »Micky Maus«-Hefte und geniale Übersetzerin der Alltagsleiden des Donald Duck. Ihre »geflügelten« Worte aus Entenhausen kennt jedes (Ex-)Kind – wie das Daniel-Düsentrieb-Motto: »Dem Ingeniör ist nichts zu schwör.«
Ohne sie gäbe es wohl auch die Donaldisten nicht, vereint in der Deutschen Organisation der Nichtkommerziellen Anhänger des Lauteren Donaldismus (D.O.N.A.L.D.). Der Donaldismus lässt nur Donald-Comics gelten, die von den »kanonischen Autoritäten« Carl Barks (Zeichnungen) und eben Dr. Erika Fuchs stammen. Bravo!
Dass erwachsene, gebildete und zum Teil sogar ernsthafte Menschen sie einmal wegen Sprechblasen-Übersetzungen für Kinder verehren würden wie Teenies einen Popstar, dass Akademiker ihren Donald Duck (bitte nicht »Donäld Dack!) und seine Entenhausener Welt sich selbst verkackeiernd wissenschaftlich untersuchen würden – wenn ihr das jemand am 7. Dezember 1906 in Rostock gesagt hätte . . . na ja, so sehr überrascht hätte sie das an ihrem ersten Lebenstag wohl auch nicht.
Schon früh ging sie ihren eigenen Weg, ohne allerdings ahnen zu können, dass der nach Entenhausen führen würde. 1921 setzte sie dickköpfig durch, ins städtische Knabengymnasium aufgenommen zu werden, was für einen Eklat im Stadtrat sorgte. Erika Fuchs studierte später in Lausanne, München und London Kunstgeschichte, Archäologie und mittelalterliche Geschichte. Ihren Mann Günter Fuchs (gestorben 1984) heiratete sie 1932 – er war Fabrikant und Erfinder(!).
Fast nichts ahnend schlitterte sie 1951 in die Rolle der ersten Micky-Maus-Chefredakteurin. Es muss so ähnlich zugegangen sein wie bei Rudi Völlers zufälliger Erweckung zum Teamchef der Nationalmannschaft – und ein ähnlicher Glücksgriff war es dann auch, nur ohne Rücktritt und Netzer-Delling-Wutanfall.
Die Wutanfälle hat Erika Fuchs Donald überlassen bzw. sie verdeutscht, auf eine Art, mit der sie den deutschen Sprachgebrauch beeinflusst hat. Ihre lautmalerisch inspirierten Neuschöpfungen wie »Kreisch«, »Grübel« oder »Seufz« gehören zum aktiven Wortschatz nicht nur von Donaldisten.
Die kümmern sich auch um zu Unrecht vernachlässigte Probleme. Mal laden sie ein zur Sonderausstellung »Biodiversität in Entenhausen«, mal zeigen sie das Problem der Domestikation von Hunden in Vogelfamilien auf, und gewisse Perversitäten unter Duck-Enten (Stichwort: Kannibalismus) werden ebenfalls nicht ausgespart. Auch diese Frage harrt noch ihrer letztgültigen Klärung: Pflanzen sich die Ducks über Veronkelung fort?
Carl Barks in allen Ehren – aber ohne die witzigen, klugen, lebensnahen, skurrilen, anspielungsreichen Übersetzungen von Dr. Erika Fuchs hätte in Deutschland kein Donaldismus-Kult entstehen können.
Apropos Carl Barks: Als der geistige Vater von Donald im Jahr 2000 starb, im hundertsten Lebensjahr, war die Bergung der »Kursk« das Topthema in den Nachrichten, was uns an Tick, Trick und Track erinnert, die ein Schiff hoben, indem sie Tischtennisbälle in das Wrack pumpten. Diese Barks-Idee wurde später einmal tatsächlich erfolgreich bei einer echten Schiffsbergung eingesetzt!
Zu Ehren des Meisters ist die Carl Barks Collection in Vorbereitung, eine auf 3333 Exemplare limitierte zehnteilige Sammel-Edition, auf der Grundlage der von Dr. Erika Fuchs überarbeiteten Übersetzungen. Die ersten drei Bände sollen im Sommer im Egmont Horizont Verlag veröffentlicht werden. Die edle Collection wird ihren Preis haben, kalkuliert wird mit 149 Euro pro Band (mehr unter www.barks.de).
Zu Ehren von Dr. Erika Fuchs, die Bestsellerlisten uninteressant findet (siehe »Lese-Bogen«), streichen wir unsere Seller-Liste heute gehörig zusammen, um noch Platz für ein paar ewige Worte aus Entenhausen zu haben:
»Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr.« (Tick, Trick und Track)
»Wo man raucht, da kannst du ruhig harren, Menschenfresser haben keine Zigarren.« (Donald Duck)
»Doch unsre ganze Kunst, die war umsunst.« (Panzerknacker).
Und dann noch diese herrlich einsilbig vokallos alles sagende Reaktion auf einen von unzähligen Versuchen Donalds, sein Geld im Berufsleben zu verdienen: »Schönen guten Morgen, junge Frau! Sie sehen ja fabelhaft aus! Doch zur Sache! Ich bin Ihr Lieblingsvertreter in Weihnachtskarten.«
Entenhausener Hausfrau: »Fnf!«

(gw/12.2.2005)

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