Archiv für den 8. Januar 2010

Erlösende Komik (Simon Borowiak: “Schade um den schönen Sex”)

Orgasmus und hessische Bibelübersetzung
Meisterwerk eines Suiziddrangverhinderungsstrategen

Veröffentlicht von gw am 8. Januar 2010 .
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Klappentext (31.10.2009)

Die novembrigen Gefühle nahen, dass es eine morbide Lust und Last ist. Sie prägen auch diese Bücherseite, obwohl bei Simon Borowiak Witz und Komik zu dominieren scheinen. Aber bei ihm, gerade bei ihm, ist der Humor schwarz, und den Leser beschleicht das Gefühl, dass hier jemand mit seinem eigenen Entsetzen Scherz treibt und schreibt.
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Ginge man mit schwarzem Humor ans »Nachgehakt«-Thema, müsste zum Anschreiben prominenter Menschen gegen Krankheit und Tod festgestellt werden, dass das Unvermeidliche in jedem Fall auf dem kranken Fuße folgt: der Bestseller-Spitzenplatz. Das andere Unvermeidliche ereilt uns alle, früher oder hoffentlich sehr viel später, und die Geschichte dazu landet auf keiner aktuellen Bestsellerliste, sondern bleibt bestenfalls dauerhaft im Herzen von einigen lieben Angehörigen.
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Bevor wir uns in novembriger Melancholie suhlen, lassen wir uns von Douwe Draaisma ein wenig Mut machen beziehungsweise das Altern etwas entspannter angehen. »Die Heimwehfabrik« war ein Hit in Holland und beschreibt in holländisch-lässigem Grundton, wie unser Gedächtnis funktioniert, wenn wir älter werden.
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Der morbide Charme von Nicolas Remins Venedig des 19. Jahrhunderts und speziell seines Commissarios Tron darf auf dieser Seite nicht fehlen. Das »Requiem am Rialto«, Trons fünfter Fall, geht buchstäblich an die Leber.
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Apropos Leber: Simon Borowiak hat auch ein bewegend-witziges Sachbuch über seine Alkoholabhängigkeit (»Alk«/Eichborn-Verlag) geschrieben. »Die Entgiftungsstation ist der einzige Ort auf Erden, wo Sie bereits beim Einchecken gefragt werden, ob Sie etwas aus der Minibar hatten«, heißt es im Kapitel »Es geht ein Entzug nach nirgendwo«.
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Als Simon Borowiak noch Simone hieß, dichtete er/sie für »Titanic« unter dem Titel »Hessen nimmt Abschied« über den an Aids gestorbenen Queen-Sänger Freddy Mercury: »Mit fünfundverzisch war schon Schluss, / Des kam vom vielen Koitus. / Der Fred war schwul als wie die Nacht, / drum hat er’s auch nicht lang gemacht. / Dabei konnt’ der doch so schön singe! / Was muss er da noch Kerls bespringe! / Wär er net rein in jedes Bett, / könnt’ er noch leben, unsän Fred.«
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Schwarzer Humor der krass-grandiosesten Art. Wer wie Borowiak die Irrwitzigkeit des Lebens am eigenen Leib und in der eigenen Seele hautnah spürt, der hat wohl die kürzeste psychosomatische Verbindung zu irrem Witz.
(gw)

Veröffentlicht von gw am 8. Januar 2010 .
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Nachgehakt: Die Krankheit, der Tod … und das Buch dazu

Lance Armstrong hat den Krebs »besiegt« und darüber einen Weltbestseller geschrieben. Auf der deutschen Verkaufsliste stehen Krankheitsberichte des ehemaligen Spiegel-Reporters Jürgen Leinemann (»Das Leben ist ein Ernstfall«, Hoffmann & Campe) und des Kultur-Tausendsassas Christoph Schlingensief (»So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein: Tagebuch einer Krebserkrankung«, Kiepenheuer & Witsch) weit oben. Georg Diez erreicht mit »Der Tod meiner Mutter« (Kiepenheuer & Witsch) wohl die besten Verkaufszahlen seiner Schriftsteller-Karriere. Und die Erfahrungsberichte von deutschen Prominenten, die ihren Bekanntheitsgrad nicht unbedingt schreiberischen Talenten zu verdanken haben, sondern eher Fernseh-Moderationen oder ähnlichem B-Promi-Schaffen, sind kaum zu zählen und finden genügend lesende Kundschaft, so dass es für die darbenden Verlage lohnt, ein neues Genre zu hegen und zu pflegen: Die Krankheit, der Tod - und das Buch dazu.
Wer liest das alles? Hypochonder? Wohl kaum. Aus eigener hypochondrischer Lebenserfahrung: Nie so etwas gelesen, weil: Wer’s liest, kriegt’s auch, sofort, bildet sich’s jedenfalls ein (und fragt nach dem dritten Apostroph, wo das eine im Schlingensief-Titel fehlt, aber das hier nur nebenbei).
Bei Armstrong stieß ab, dass er den Krebs »besiegt« haben wollte. Triumph statt Demut. »Verlieren ist wie Sterben«, sagt er, auf Leben und Sport bezogen - was halten Millionen Menschen (beziehungsweise deren Angehörige), die den Kampf nicht »gewinnen«, von Armstrongschem Brachialdarwinismus?
Natürlich kann sich ein einfühlsamer Noch-Gesunder vorstellen, dass es einem Kranken hilft, seine Not, seine Verzweiflung zu artikulieren und mitzuteilen. Prominente tun dies, wie fast alles in ihrem Leben, eben öffentlich. Aber wem hilft es, außer ihnen selbst? Anderen Kranken, die nicht die Möglichkeit haben, über ihr Leiden öffentlich zu schreiben? Dient es der Vorbeugung? Hat es literarischen Belang? Ein heikles, ein sehr heikles Thema, bei dem Kritik schnell als Gefühllosigkeit abgestempelt wird. Daher wollte der hier Nachhakende auch darauf verzichten, seine ambivalenten Gefühle beim hypochondrisch-zaghaften Lesen im »Spiegel«-Vorabdruck des Leinemann-Textes zu beschreiben.
Eine Woche später geschah Erstaunliches: Der »Spiegel« veröffentlichte neun Leserbriefe, in der Mehrzahl negative, in denen eben jene, »meine« ambivalenten Gefühle artikuliert wurden.
»Als seit über sechs Jahren an metastasiertem Brustkrebs erkrankte, brustamputierte 45-jährige Mutter mit drei Kindern möchte ich meiner dezenten ›Wut‹ Ausdruck verleihen. Wem hilft so ein Buch?«, fragt Marion F. aus Tönisvorst und stellt fest: »Ihr Buch tröstet nicht uns, Sie trösten sich selbst.«
Wolfgang B. aus Kassel: »Ehrlich ist Leinemann nur, wenn er über seine persönlichen Gefühle und Ängste schreibt, da ist er Mensch, für den es lohnt, sich Sorgen zu machen. Aber welche Eitelkeit reitet ihn, in seinem Buch einen Prominenten an den anderen zu reihen?«
Das nämlich tut Leinemann auf irritierende Weise, indem er namedroppend seine Augenhöhe mit den Schröders und Fischers der deutschen Polit-Welt überdeutlich zu verstehen gibt.
Donnerwetter, dachte ich daher, da hatte man wohl selbst beim »Spiegel« ambivalente Gefühle beim Veröffentlichen des Textes vom Ex-Kollegen. Respekt, dass die Meinung der Leser im, wie anzunehmen, richtigen Verhältnis wiedergeben wurde! Aber war es das richtige Verhältnis? Da gibt es generell zwischen Leserbriefschreibern und Redaktion Irritationen, speziell aber bei auflagen- und leserbriefstarken Publikationen wie dem »Spiegel«, die nur einen winzigen Bruchteil der Zuschriften, zumeist stark gekürzt, veröffentlichen können.
Eine Woche später schob der »Spiegel« sechs weitere Leserbriefe nach. Allesamt höchste Bewunderung für Leinemann ausdrückend, ein frappierender Gegensatz zu den Leser-Gefühlen der Vorwoche.
Was ist geschehen? Seltsamer Meinungsumschwung, erdrutschartig? Unsanfte redaktionelle Regie zugunsten des Freundes?
Wir wissen es nicht und wollen es auch lieber nicht wissen. Die Krankheit, der Tod und das Buch dazu, das ist ein emotional derart vermintes Gelände, dass man auch mit vorsichtigen kritischen Schritten unweigerlich von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen tappt. Da bleibt man lieber beim hypochondrischen Verweigern. Aber mit ungutem Gefühl. Auch sich selbst gegenüber. (gw/31.10.2009)

Veröffentlicht von gw am 8. Januar 2010 .
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Nachgehakt: Frank Schulz bei Amazon

Mit heller Freude beim Online-Versand Amazon einen neuen Roman von Frank Schulz entdeckt. Schulz ist Autor der »Hagener Trilogie« (»Kolks blonde Bräute«, »Morbus fonticuli«, »Das Ouzo-Orakel«), die zwischen 1991 und 2006 erschienen ist. Seitdem warte ich auf einen »neuen Schulz«, richte mich aber angesichts des bisherigen Schulzschen Veröffentlichungstempos auf eine längere Wartezeit ein - und nun ist das Buch plötzlich schon da, heimlich, still und leise, ohne die üblichen Vorankündigungen und Marketing-Aktionen.
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Bei Amazon steht das Buch - Titel: »Über Kalifornien lacht die Sonne« - schon auf Platz 1 der Frank-Schulz-Rangliste. Kein Wunder, die anderen Schulz-Werke haben ihre Haupt-Verkaufszeit ja schon hinter sich. Ein wenig wundere ich mich nur über den »Verlag«: Das Buch erscheint bei »Books on Demand«, dort also, wo jeder Hinz und Schulz »sein« Buch veröffentlichen kann, wenn er will und glaubt, genug Kinder gezeugt und Bäume gepflanzt zu haben. Aber der Online-»Klappentext« beschreibt nicht nur den Inhalt, sondern auch den Verfasser, mit Vita und bisherigen Werken, und das ist eindeutig unter den zigtausend Frank Schulzen in Deutschland »mein« Schulz. Ich bestelle das Buch.
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Nächster Akt: Das, nun ja, Buch ist da. Über Kalifornien lacht die Sonne, aber ich weine: Der Autor hätte besser einen ganzen Wald gepflanzt, statt sich als Schriftsteller unsterblich machen zu wollen. Nein, sorry, das nehme ich zurück: Dieser Frank Schulz, der nicht der meine ist, hat alles Recht der Welt, bei BoD ein Buch zu veröffentlichen. Das ist seine Privatsache, und meist bleibt solch ein Werk auch dort, wo es hingehört: im privaten Raum. Aber wie um alle literarische Welt kommt Amazon (und andere sich auf Amazon beziehende Online-Buchverkäufer) dazu, den falschen Schulz dem richtigen Schulz zuzuordnen?
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Ich maile dem richtigen Schulz, den ich seit einer ausführlichen Vorstellung auf unserer Bücherseite kenne (»Schreiben als tollkühnes Lebenswerk«/8.9.2007): »An Ihrer Stelle würde ich etwas gegen die irrtümliche Zuschreibung unternehmen. Wer Sie noch nicht kennt, aber auf Sie aufmerksam gemacht wird, daher mal ein Buch von Ihnen bestellt, das scheinbar neueste, und dann dieses Dingsda bekommt, wird, wenn ihm das nächste Mal jemand von Frank Schulz vorschwärmt, nur genervt denken: Was haben die denn alle für einen merkwürdigen Geschmack? Für einen hauptberuflichen Schriftsteller sehr geschäftsschädigend, finde ich.«
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Frank Schulz bedankt sich für den Hinweis, schaltet seinen Verlag ein, der schon frustrierende Erfahrungen mit Amazon gemacht hat und mir vorschlägt, per Online-Kontaktformular zu reklamieren: »Wenn Kunden anfangen, sich zu beschweren, ändern die das vielleicht schneller.« - Tun sie nicht, obwohl ich brav reklamiere.
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Wie funktioniert Amazon intern? Automatisch, ohne Fachpersonal, nur mit dem einen oder anderen Programmierer? Arbeiten dort überhaupt echte Menschen? Scheinbar ja - denn nach einigen Tagen lese ich bei Amazon: »Der vorhandene Text auf der Seite des angegebenen Buches entspricht nicht der Autorenvita des Autors, sondern der unseres Autors Frank Schulz, der ein anderer ist. Nach der dritten Beschwerde bei Ihnen hat man uns auf diese Seite verwiesen. Wir bitten Sie, die falsche Autorenvita (die schon einige später enttäuschte Fans fälschlicherweise zum Kauf des Buches geführt hat, was leider Ihren Kunden, Ihnen und unserem Autor schadet) unverzüglich zu entfernen und bei erneuter Unklarheit uns anzurufen und nicht wieder mit einer Mail mit einem Link zu einem Kontaktformular ›weiterzuhelfen‹.«
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Aber anscheinend waren nur scheinbar echte Menschen am Werk. Denn dieses Protestschreiben des Schulz-Verlags wird von der Amazon-Software direkt in den »Klappentext« zum Kalifornien-Buch des falschen Frank Schulz weitergeleitet, wo der interessierte Leser in der Rubrik »Über den Autor« nun statt des bisherigen schriftstellerischen Lebenslaufes von Frank Schulz diesen Text findet, der jedem Uneingeweihten kryptisch bis gagaesk vorkommen muss.
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Zu guter Letzt: Immerhin erfahre ich, dass tatsächlich bald ein neues Buch von »meinem« Frank Schulz erscheinen wird: Ein Band mit Erzählungen, im nächsten Frühjahr, im Berliner Galiani-Verlag. Ich freue mich schon darauf, es kaufen zu können.
In der guten, alten Buchhandlung.
(gw/2.10.2009)

Veröffentlicht von gw am 8. Januar 2010 .
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Zwischen Dulden und Aufbegehren (Friedrich Torberg: “Mein ist die Rache”)

Es ist einer der berühmtesten letzten Sätze der Literaturgeschichte, mit denen Friedrich Torbergs Novelle »Mein ist die Rache« endet, die nun in kommentierter Neuausgabe vorliegt, herausgegeben und mit einem - sehr lesenswerten, ausführlichen und informativen - Nachwort von Marcel Atze.
Den Satz verraten wir natürlich nicht, zu groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihn manche Leser (wie zuvor der Schreiber dieser Zeilen) nicht kennen, die das Taschenbüchlein in die Hand nehmen, das aus Anlass des 100. Geburtstages von Torberg erschienen ist.
Nur soviel, auch wenn der Vergleich ungebührlich erscheint: Der Satz trifft ebenso unvermittelt, überraschend, den Atem verschlagend, wie es damals einem jungen Leser erging, der in Agatha Christies »Alibi« neugierig und spannungsgeplagt ins letzte Drittel des Buches linste - und total perplex feststellte, dass »Ich« es war . . .
Wirklich nicht zu empfehlen, den letzten Satz vorab zu lesen, zumal er sehr umstritten ist: »Mein einziger Einwand ist gegen den Schluss. Vielleicht zu gut pointiert« (Max Brod). Torberg erwiderte dem Freund: »Ich hatte aber wirklich keine literarische Superpointe beabsichtigt, sondern es schien mir eine ganz selbstverständliche Abrundung des Wahnsinnsbildes, das von Aschkenasy doch entstehen muss.«
Aschkenasy, das ist jener hagere Mann, den der Erzähler der kurzen Rahmengeschichte im November 1940 am Pier von New Jersey immer wieder dann trifft, wenn ein Schiff aus Europa ankommt. Der namenlose Erzähler erwartet und empfängt geflohene Freunde, Aschkenazy bleibt stets alleine. Wartet er? Auf wen?
»›Verzeihen Sie‹, sagte ich. ›Ich sehe Sie nun schon so oft hier am Pier - erwarten Sie jemand Bestimmten?‹ (…) ›Jemand Bestimmten?‹, fragte er nachdenklich und senkte den Kopf.«
Nein. Aschkenazy wartet auf niemand Bestimmten.
»›Aber ich warte auf fünfundsiebzig. Und keiner kommt.‹«
Der Erzähler fragt nach, Aschkenazy willigt ein, seine Geschichte zu erzählen. »›Aber ich warne Sie!‹ sagte er plötzlich. ›Es ist keine Geschichte, die man nur so zum Zeitvertreib erzählen und zum Zeitvertreib mit anhören kann.‹«
Und die man auch nicht zum Zeitvertreib lesen kann - die Geschichte jenes Konzentrationslagers, in dem ein neuer Lagerkommandant den Befehl zur Ausrottung des Weltjudentums ganz persönlich in die Hand nimmt.
Die Novelle, erstmals erschienen 1943 in Los Angeles, ist schwer erträglich, aber nicht aus der Hand zu legen, bis zum bitteren Ende. Sie thematisiert schon früh ein jüdisches Trauma, den Zwiespalt zwischen Dulden und Aufbegehren, und sie zieht den gebannten und geschockten Leser so intensiv in diesen Zwiespalt hinein, dass er die grauenhaften Geschehnisse fast wie einer der fünfundsiebzig Lagerhäftlinge miterleidet.
Generationen von Schülern haben Torbergs berühmtestes Buch gelesen, den »Schüler Gerber«, und sie werden in »Mein ist die Rache« durchaus Parallelen finden zwischen dem sadistischen Lehrer Artur Kupfer aus Torbergs Debüt und dessen logischer Fortsetzung, dem brutal-abartigen SS-Offizier Hermann Wagenseil mit seinen perversen »pädagogischen« Vorlieben.
Eigentlich hat diese Novelle nicht 75 Seiten, sondern 150 - denn sie liest sich nach dem Knalleffekt des Schluss-Satzes noch einmal unter einer ganz anderen Perspektive.
Und ob dieser letzte Satz nur eine willkürlich gesetzte Pointe ist oder die zwingende Folge des Erzählten - das mag jeder Leser für sich selbst entscheiden. (gw/18.102008)

Veröffentlicht von gw am 8. Januar 2010 .
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