Archiv für den 5. Januar 2010
Anstoß literarisch (Kempowski: “Wir sind doch alle Freikletterer”)
Erst kurz vor seinem Tod (2007) erhielt Walter Kempowski die literarische Anerkennung, die ihm jahrzehntelang – zu seiner großen Verbitterung – versagt worden war. Der »Tadellöser & Wolff«-Bestsellerautor und spätere geniale Collagist deutscher Chroniken (»Echolot«) galt zuvor in den kulturtonangebenden bundesdeutschen Linksschickeria-Kreisen als zu »flach«, zumal Kempowski, der in der damaligen SBZ aus politischen Gründen zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden war (und acht Jahre in Bautzen absaß, zum Teil in Einzelhaft), aus seiner Abneigung, ja Hass auf den Kommunismus und die DDR keinen Hehl machte.
Auch bei Kollegen zeigte sich der durchaus schratige Kempowski nicht als Freund versöhnlerischer Töne. Vor allem in seinen nach und nach veröffentlichten Tagebüchern schlug er lustvoll zu: »1. März 1989: Spiegel-Lyrik von Herrn Matussek. Bedauerlich, dass mich das ankotzt, sonst würde ich den Artikel zu Ende lesen. ›Wie kommt es eigentlich, Herr Matussek, dass Sie einen so brillanten Stil haben?‹ wird er im Fernsehen gefragt. Wie kommt es eigentlich, liebe Freunde, dass ihr allesamt den Arsch offen habt?«
*
Rummms! Mit Sport hatte Walter Kempowski dagegen so gar nichts am Hut. Dennoch, nein, gerade deshalb bereiten die raren sportlichen Tagebucheinträge dem sportinteressierten Leser viel Freude. – Es folgen Notizen aus »Somnia – Tagebuch 1991« (btb – 12 Euro – ISBN 9-783-3-442-74013-0), ausgewählt unter aktuellen Wintersport-Gesichtspunkten.
Veröffentlicht von
gw am
5. Januar 2010 .
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