Archiv für Januar 2010
Eintracht-Tagebuch – Eintrag vom 27. Januar 2010
Liebes Eintracht-Tagebuch,
auch heute muss ich Dir mal wieder was anvertrauen. Ich habe ein fast schon irrational inniges Verhältnis zu Zahlen. Kein Quatsch! Ich kann mir zum Beispiel Telefonnummern leichter merken als Namen! Und ich weiß oft noch Monate nach einem Hotelbesuch, welche Nummer mein Zimmer hatte – während ich nicht mehr zusammenbekomme, warum ich überhaupt da war. Und je länger ich mich mit dieser Materie beschäftige, umso mehr lerne ich über die großen Unterschiedlichkeiten bei Zahlen.
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Henni Nachtsheim am
31. Januar 2010 .
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Montagsthemen
Mentale Vorbereitung, Magdalena Neuner wiegt sich im Takt wundervoller Musik. Klassische Kleinode, Walgesänge, Wohlfühlklänge. Das makellos hübsche Jungmädchengesicht verzückt, die Augen wohlig genießend geschlossen. Dann schnallt sie die Knarre auf, hetzt in die Loipe und knallt auf die Scheiben, Symbole lebender Gegner, die der Blattschuss treffen soll.
Es war einmal vor vielen, vielen Jahren. Der damalige Sportchef, Theorie-Pazifist, aber noch nicht von Altersmilde und Toleranz angekränkelt, erließ das strikte Redaktions-Edikt, nie-nie-nie ein Bild zu veröffentlichen, auf dem Sportler mit Gewehren im Anschlag zu sehen sind. Kollegen, die dagegen verstießen, wurden erschossen.
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gw am
31. Januar 2010 .
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Sport-Stammtisch
Entlassen zu werden, das ist auch für einen Bundesligatrainer keine reine Freude, egal wie hoch die Abfindung sein mag. Selbst an scheinbar Seelenhornhäutigen der Branche knabbert der Selbstwertgefühlsabnager, dieser böse große Bruder von Loriots »possierlichem kleinen Kerl«, der Steinlaus. Hat der geschasste Trainer Kinder, werden diese schlimmer gehänselt als zuvor bewundert, und der Trainer muss wieder auf entwürdigende Anbiederungstour gehen, wie ein Leichenhund durch die Ligenkeller schnüren und nach Aas wittern. All das weiß ein kluger, sensibler Trainer wie Armin Veh, und dennoch trat er in Wolfsburg eine Stelle an, deren Haltbarkeits-Halbwertzeit in der Bundesliga absehbar einmalig kurz war und übertragen auf die Atomwirtschaft alle Lagerprobleme endgültig lösen könnte.
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gw am
29. Januar 2010 .
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Nach-Lese (30.1.2010)
Langsam verplätschert der »Tsunami im Wasserglas«, den wir in der Premiere dieser Kolumne belächelt hatten: Die Aufregung im kulturellen Elfenbeinturm über den Umzug von Suhrkamp nach Berlin. Aber so richtig Ruhe geben die Feuilletons noch immer nicht. Die Literarische Welt legt nach. Auf immerhin zwei Seiten »begrüßt ein Chor der Suhrkamp-Autoren seinen Verlag in Berlin«, und das liest sich zum Beispiel so: »Die Leute des Suhrkamp-Verlages sind zu beglückwünschen. Frankfurt ist ja keine Stadt, sondern bloß ein unglückliches Konglomerat. Berlin ist, wenn auch keine schöne, so doch eine Stadt.« Schreibt Sibylle Lewitscharoff.
Sibylle … wer? Wie, Sie kennen Suhrkamps berühmte deutsche Großschriftstellerin nicht? Tja, solche Bildungslücken klaffen eben nur im Dunstkreis jenes unglücklichen Konglomerats, das nicht einmal eine Stadt ist. Den Namen der Hauptstadt-Dame wollen wir uns aber zu merken versuchen: Sibylle Lewitsoundso.
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gw am
29. Januar 2010 .
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Liebe in Zeiten des Todes (Jenseitsnovelle von Matthias Politycki)
»Wenn nur der Geruch nicht gewesen wäre! Als ob Doro vergessen hatte, das Blumenwasser zu wechseln, als ob die Stengel über Nacht zu faulen angefangen hatten und der Luft nun ein süßsaures Nebenaroma beimischten. Schepp witterte es auf der Stelle.«
Und nun stelle man sich vor, man ist dieser Schepp, ein Anfangs-Sechziger, und wie er überzeugt davon, »ein glücklicher Mensch« zu sein.
Nein, man stelle es sich lieber nicht vor, denn für Schepp beginnt der Morgen (und für uns die »Jenseitsnovelle«) mit dem zärtlichen Blick auf den Rücken der geliebten Ehefrau, die schon in der Frühe im Arbeitszimmer sitzt und seine Manuskripte redigiert. »Dann beugte er sich zu Doro hinab. Wieder schlug ihm der Geruch entgegen, ganz und gar fremd jetzt in seiner Süßlichkeit, mit einer Beimischung von Schweiß und Urin und – er schrak zurück.«
Unerträglich? Lesen an dieser Stelle nur in den Schmerz Verliebte weiter? Das wäre schade, denn Matthias Politycki hält noch einiges bereit, das zu verpassen fahrlässiger Verzicht auf den Genuss eines literarischen Kleinods bedeuten würde.
Obwohl auch den Leser Doros letzte hingeschriebene Worte schockieren: »Ohne Dich, Schepp, begreif es, ohne Dich. Meinetwegen fährst Du, jetzt spreche ich es aus, fährst Du zur Hölle!« Und kryptisch die allerletzten Worte: »jetzt auch noch diese … na … darüber reden wir noch.«
Schepp bleibt im Arbeitszimmer sitzen, neben seiner toten Frau, spricht mit ihr und mit sich. »In welch konfuser Manier geschrieben, von welcher Doro? So unbeherrscht kannte er sie gar nicht, so wüst, so direkt.«
Die Liebe ist ein Alptraum ist die Liebe.
Mehr sollte dem interessierten Leser nicht vorab verraten werden. Der Schluss schon gar nicht. Nur sein Beginn, diese Wiederholung nach 121 Seiten:
»Wenn nur der Geruch nicht gewesen wäre!« (gw/23.1.2010))
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gw am
22. Januar 2010 .
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