Archiv für den 20. Dezember 2009

Montagsthemen

Herbstmeister – liebe Leser, dieser wundersame Nicht-Titel für eine wunderbare Bayer-Mannschaft (man beachte das fehlende End-»n«) führt uns gleich zur philosophisch-religiösen Kernfrage: Was unterscheidet den Menschen vom Tier?
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Na ja, klar, die Tiere kennen keine Herbstmeister, aber das lasse ich nicht als Antwort gelten (obwohl sie nah dran ist). Doch zunächst zum Fußball-Herbstmeister, der im Winter gekürt wird und gar kein Meister ist: Längst schon habe ich Heynckes seinen elefantösen Egomarsch im Frankfurter Porzellanladen … nein, nicht verziehen, aber wegen Verjährung, deutlicher Besserung und tieferer Einsicht als lässliche Spätjugendsünde abgehakt. Unter dem heutigen Heynckes hätte es damals bei der Eintracht den Fußball 2000 geben können, auf den Frankfurter Schwärmer auch im dritten Jahrtausend noch warten wie Estragon, Wladimir und Pozzo auf Godot.
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Bayer hat ein tolles junges Team und einen großen alten Trainer, aber keine Chance auf den echten Titel, denn die mit dem End- »n« sind einfach zu stark. Ähnlich Schalke: Magath hat Wolfsburg zum Meister gemacht und führt Schalke weit nach vorn, weil er so trainieren lässt, wie es im außerfußballerischen Leistungssport üblich ist. Das hilft auch einem Schlamper wie dem ansonsten willigen Mannschaftskerl Kuranyi. Hierzu noch einmal die »Anstoß«-Prognose vom Sommer: »Fitness schießt Tore, denn körperliche Topform macht auch den Geist fit, kreativ und zupackend, während ihn schlampiges Training schlampig macht, zum Beispiel bei der Chancenauswertung. Kuranyi wird zur Nagelprobe meiner Behauptung: Wetten, dass er in dieser Saison für Schalke so viele Tore schießt wie noch nie?«
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Und falls nicht, vergessen wir’s einfach. Bewährte Methode bei allen »Experten«-Vorhersagen. Gilt auch für die Schalke-Variante der Bayer-Prognose: Tolles junges Team mit einem großen alten Trainer, aber keine Chance auf den Titel, denn die Bayern sind einfach zu stark.
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Und was unterscheidet den Menschen nun vom Tier? Das Tier treibt keinen Sport! Auch im Fitness-Center ist ein solches noch nie gesichtet worden, dort heißt es allenfalls manchmal: »Mensch, bist du ein Tier!« Auch ist noch nie ein träger alter Löwe von Tante Doktor Eule zum Joggen in die Savanne geschickt worden, um sein verfettetes Herz auf Trab zu bringen, und kein Elefant hört auf die Einflüsterung der Schlange, sein Body-Mass-Index sei eine Schande. Er tritt drauf und hat seine Ruhe.
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Zum Glück ist der Mensch kein Tier, und Sport macht ihm Spaß. Unterschied zum Sex: Danach geht’s ihm besser als dabei. Gemeinsamkeit von Mensch und Tier: Post coitum omne animal triste. Und nun, liebe Leser, bevor morgen bis zum Jahresende der »Anstoß 2009« wieder die Kolumne übernimmt, noch die letzte Prognose: Wetten, dass sich die »Anstoß«-Anrede »Liebe Leser« in zehn Jahren gegen alle zeitgeistig genderbeflissenen »Leserundleserinnen«, »Wählerundwählerinnen« und »Bürgerubürinnen« durchgesetzt haben wird!? Und falls nicht? Bewährte Methode, siehe oben: Vergessen wir’s. (gw)

Veröffentlicht von gw am 20. Dezember 2009 .
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