Archiv für den 18. Dezember 2009

Sport-Stammtisch

»Sagt eine Rosine zur anderen: Warum hast du einen Helm auf?« Meine liebste Kollegin will einen Witz erzählen, über den soeben im Nachbarbüro gelacht wurde, doch sie ertränkt die Pointe in ihren Lachtränen. Schade, ich hätte gerne mitgelacht.
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Na ja, hat sicher nichts mit Sport zu tun. Also, dann jetzt zu unserem täglichen Brot: Sport und alles, was sich dafür hält. Bisher besetzte der Fußball alle Plätze der Top Ten seltsamer Namen für Veranstaltungsorte wie das »easyCredit-Stadion« in Nürnberg (früher Frankenstadion). Hätte man es wenigstens auf Deutsch getauft, in »leichtPump-Sportplatz«! Aber selbst die puristischsten deutschen Sprachwächter werden die neue Umbenennung des »Rund um den Henninger Turm«-Radrennens nicht uneingeschränkt begrüßen, denn »Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt«, das klingt doch etwas zu sehr nach rund um Balla-Balla.
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Nur ein Gerücht, dass nach Klinsmanns Rückkehr in die USA dort ein Stadion umgetauft wird in »Dawoklinsiallewiederliebhaben-Stadiönle«. Zum Abschied hat Klinsmann ein Fazit seiner Bayern-Zeit gezogen. »Ich möchte jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser machen« – dieser Ausspruch wurde ihm medial um die Ohren geschlagen, über die Gründe rätsele ich noch heute. Und jetzt rätsele ich noch mehr, warum Klinsmann, bevor er »heim« in die USA düst, im Abschieds-Interview verrät, diesen Satz am meisten zu bedauern. Warum bloß? Ist doch der vernünftigste Spruch der gesamten motivationsverschwurbelten Klinsmann-Ära! Geradezu Grundlage des Leistungssports: Jeder Sportler will sich, jeder Trainer will jeden Sportler jeden Tag ein bisschen besser machen. Nicht jeder schafft’s, aber wer’s gar nicht erst versucht, hat seinen Job verfehlt.
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Ich will jeden Leser jeden Morgen ein bisschen fröhlicher machen. Manchmal klappt’s, zum Beispiel bei Sigi Egerer. Ihm machte die hessische Version »Wutz« des Golfers Woods Freude, dafür revanchiert sich der Leser mit dem mir zuvor unbekannten hessischen Namen der Schweinegrippe: »Wutzeschnuppe«. Apropos: Drei Hoffenheimer Fußballprofis werben im Auftrag eines Pharma-Konzerns eindringlich fürs Impfen gegen die Schweinegrippe, halten sich aber selbst nicht dran und haben ihn nun, den Schaden, durch den sie jeder Beschreibung spotten: den Wutzeschnuppe.
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Dass Fußball des Fans täglich Brot ist, außer an und nach Weihnachten, denn da bleibt ihm nur ein Stollen, auch dieser Montagsthemen-Kalauer bereitete manchem Leser Freude …
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… und schon klappt’s mit der Pointe: »Sagt eine Rosine zur anderen: Warum hast du einen Helm auf? Antwort: Weil ich in den Stollen muss.« – Wischt sich die Lachtränchen ab und lässt uns mit unseren Kalauern alleine.
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Schön! Habe gerade im Archiv nachgeschaut, wann ich zum letzten Mal meinen Lieblings-Kalauer erzählt habe. Schon sieben Jahre her, also längst reif zur Wiederverwertung. Stammt von Insterburg & Co. Kennt niemand mehr? Zu der Blödel-Band gehörte auch Karl Dall. Kennt niemand mehr? Kinder! Insterburg, Dall …. »und die Zeit und die Zeit und die Zeit und die Zeit und die Zeit, sie löst sie auf«, sang einst Gilbert Becaud. Kennt auch niemand mehr? Ich geb’s auf.
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An meinem Lieblings-Kalauer hatte auch unser Mitkolumnist Matthias Beltz große Freude. Er revanchierte sich mit seinem: »Was ist die Gemeinsamkeit von Hunden und Zwiebeln? Hunde belln und Zwie . . . beln.« Aua! Zugabe mit Telefon-Dialog: »Hier Beltz« – »Ei dann duhn se doch ema de Hund weg!«
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Ein anderer »Be«(ckenbauer) wird nicht unbedingt mit Kalauern in Verbindung gebracht (außer von bösen Spöttern, die behaupten, er sei selbst einer), hat aber einmal mit einem hübschen geantwortet, als er gefragt wurde, was er von Elbers Klagen halte, so selten angespielt zu werden: »Wenn er sich beschwert, dass er keinen Ball bekommt, muss er sich halt einen holen.«
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Kein Kalauer: Ozzy Osbourne, der Gruft-Rocker von »Black Sabbath«, outet sich als echter Deutscher. Nicht weil er vor seiner Rock-Karriere eine anständige Ausbildung zum Autohupenstimmer (wirklich!) begonnen hatte, auch nicht, weil er die Hühner seiner Frau erschoss, da es ihm lästig war, sie zu füttern, sondern weil er jetzt, nachdem er kein zugedröhnter Freak mehr ist, vor dessen Eskapaden die Welt zittert, germanängstlich in sich geht und Sorgen macht. Und Sorgen. Und Sorgen. »Ständig mache ich mir Sorgen, um meine Kinder, um Sharon (seine Frau), um die Umwelt. Manchmal mache ich mir sogar Sorgen darüber, worüber ich mir noch Sorgen machen kann.« Deutscher als deutsch, der Ozzy!
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Klimasorgen macht er sich natürlich auch. Kein Wunder, er kommt schließlich aus England. Und während es bei uns bitterkalt ist, bleibt in seiner Hauptstadt nie der Schnee liegen. Warum nicht? Also doch noch mein Lieblings-Kalauer: Weil in London der große Tower steht. (gw)

Veröffentlicht von gw am 18. Dezember 2009 .
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