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Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 16. Dezember 2009

Liebes Eintracht-Tagebuch,
dass es in Deutschland überall immer mehr Fußballschulen für Kids gibt, weißt Du natürlich. Unser Frankfurter Rekordspieler Charly Körbel, der »treue Charly« zum Beispiel, hat so eine hier bei uns in der Gegend. Und genau wie er unterrichten auch in anderen Regionen vor allem Ex-Profis fußballbegeisterte Kinder und versuchen, die besonders talentierten zu fördern. Was ja prima ist!
Aber wusstest Du, dass es auch noch ganz andere »Fußballschulen« gibt, die mit denen eben genannten eher so gar nichts zu tun haben? Siehst Du, ich auch nicht. Bis mich ein Freund angerufen und mir davon erzählt hat.
Der lebt mit seiner Familie in Berlin, und sein Sohn hat eine dieser Schulen durch Zufall beim Zeitungsaustragen in einem schäbigen Hinterhof eines noch schäbigeren Mietshauses entdeckt, übrigens gar nicht weit entfernt vom mittlerweile berüchtigten Cafe King. »School of Destruction« steht auf dem Klingelschild, was so viel heißt wie »Schule der Zerstörung«.
Wobei »Destruction« auch für »Destruktivität« oder Ähnliches steht. Um dort aufgenommen zu werden, braucht man keinerlei Qualifikation, es reicht schon »die richtige Einstellung«. In diversen Unterrichtsräumen kann man jede Menge verschiedener Fächer belegen, das Angebot ist wirklich groß.
So gibt es zum Beispiel ein »Musikzimmer«, in dem man besonders höhnische Fangesänge einzustudieren lernt! Direkt daneben ist der »Rhetorikraum«, in dem unzählige rassistische, polemische bis unsäglich blöde Parolen an der Tafel stehen, und in dem man auf einem Fernseher diverse Aufzeichnungen der fiesesten Fan-Aktionen aus aller Welt bestaunen kann. Zum Beispiel die, in der gehirnfreie Fans von Liverpool vor einigen Jahren die Anhänger von Manchester provozierten, in dem sie mit ausgebreiteten Armen an das Flugzeugunglück von 1958 erinnerten, bei dem damals die halbe ManU-Mannschaft ums Leben kam.
Im sogenannten »Trick-and-win«-Raum bekommt man alle Infos, die man zu einem handfesten Wettbetrug braucht, von »Bestechung üben« über »Hotelköche zur Spielervergiftung zwingen« bis hin zur gepflegten »Mittäterdenunzierung«.
Des Weiteren gibt es ein mit Beton ausgegossenes »Blutgrätschen-Zimmer«, in dem man besonders üble Fouls trainieren kann! Und eine »Eltern-Beratungsstelle«, in der zum Beispiel Väter harmloser, unschuldiger Fußballknirpse lernen, wie man aufgrund unterirdischer Schiribeleidigungen selbst ein F-Jugendspiel zum Abbruch treibt. Auch schön ist neben dem »Hooligan-Stübchen« die Busattrappe, an der man wahlweise Sitzblockaden in Kombination mit Todesdrohungen in Richtung Spieler oder auch das Stürmen des Mannschaftsbusses direkt trainieren kann.
Ja, und es gibt sogar ein »Dietmar-Hopp-Zimmer«, in dem man den besonders Blöden ihr Resthirn wäscht, indem man ihnen immer und immer wieder erzählt, dass der Besagte ein schlimmer Mensch sei, bis keiner mehr von ihnen auch nur ansatzweise realisieren kann, dass ausgerechnet Dietmar Hopp ein sozial hoch engagierter Mann und Hoffenheim kein Feind-, sondern, wenn überhaupt, Spiegelbild des bezahlten Fußballs ist!
Ja liebes Tagebuch, jetzt weißt Du, warum es neben den schönen Seiten des Fußballs auch die fiesen gibt. Und warum es in den letzten Monaten so (zu) viele unangenehme Nebenschauplätze gab. Dummerweise kann man diese Art von Schulen nicht komplett schließen, was aber nicht heißt, dass man sich nicht verstärkt gegen ihre Existenz wehren soll.
Zum Beispiel, indem wir unseren Kids nimmermüde klarmachen, dass solche Dinge so gar nichts mit den Grundgedanken des Fußballs zu tun haben – und wie schön und bedeutsam es ist, zum Beispiel einer von Charly Körbels Fußballschülern zu sein! Das mag naiv klingen, aber mitunter ist Naivität immer noch ein besserer Ratgeber als Blödheit oder Boshaftigkeit!
Das, liebes Tagebuch, wollte ich so kurz vor der Winterpause und dem Jahreswechsel einfach noch mal loswerden. Was aber nicht heißen soll, dass ich frustriert wäre! Das nicht! Denn da ist ja noch mein Eintracht-Fananteil in mir, und dem geht es gut dieser Tage! Zumal unsere Mannschaft das prima gemacht hat die letzten Spiele, das sah mitunter schon ausgesprochen vielversprechend aus. Und deswegen habe ich auch meinen Wunsch, nämlich einen Dreier gegen Wolfsburg, wieder von meiner Liste für den Weihnachtsmann gestrichen. Denn bei allem Respekt vor dem Mann im roten Gewand – das könnte die Eintracht am Samstag auch von ganz alleine schaffen! In diesem Sinne! Hendrik Nachtsheim

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