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Sport-Stammtisch

Alle redeten von Robben und Ribery. Sie seien die Heilsbringer, ohne sie die Bayern ein Allerweltsteam. Die Medien schrieben es, der »Kaiser« sagte es, Experten analysierten es, wir alle glaubten es.
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Wir alle? Nein, in einer kleinen mittelhessischen Kolumne regte sich schon früh Widerspruch. Nun, da die Bayern in Turin ohne Ribery und fast ohne Robben so beeindruckend wie vielleicht seit Jahren nicht mehr auftrumpften, blättern wir in der Anstoß-Chronik bis vor den Saisonbeginn zurück: In der Diskussion um Ribery und um mögliche Verstärkungen auf ähnlichem Superniveau werde vergesse, dass mit dem Laufwunder Olic ein entscheidender Wechsel schon getätigt sei, behauptete ich im Sommer …
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… wofür ich mir im Winter selbst auf die Schultern klopfen könnte, wenn ich nicht ebenso forsch verkündet hätte, dass der zweite entscheidende Wechsel die Münchner weiter voranbringen werde als Ribery und Toni zusammen: Timoschtschuk. Na ja, im Herbst kam der Ukrainer kaum zum Zuge, bald ist Winterpause, warten wir das Frühjahr ab.
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Ebenfalls vor Saisonbeginn angekündigt, quasi ex cathedra stammtischiensis: Beim Systemfußballprediger van Gaal sei kein Platz für Luca Toni, »denn während Klose in jedem System wertvoll ist und Gomez in vielen, beherrscht Toni nur eine Variante, das System Toni: Lauft für mich und bringt mir den Ball!« – Arriverderci, Luca, ciao bello!
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An van Gaal scheiden sich die Geister noch immer. Ein Anstoß-Leser aus Holland, früherer Nachbar van Gaals, beschrieb ihn uns als »geradlinig, eigensinnig, ›recht durchs Meer‹ und schwer zu Kompromissen bereit. Aber man wusste, was man an ihm hat(te)«. – »Recht durchs Meer«, hübscher holländischer Ausdruck (Original »recht door zee«). Dazu noch die verschrobene Seltsamkeit, sich von seinen Töchtern aus Respektsgründen siezen zu lassen – fertig ist der Kauz.
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Nun ja, auch in Frankreich soll interfamiliäre Siezerei nicht ungewöhnlich sein, zwecks ehelichen Erhalts erotischer Spannung. Daher fragt Monsieur Dupont seine Madame auch schon mal höflich: »Voulez vous coucher avec moi, ce soir?«

Verwegenste Vorsaison-Behauptung: Der Coup mit van Gaal bringe die Bayern wieder zurück in das internationale Zentrum des Fußballs, denn »wenn der Holländer das hält, was er verspricht, vereint er in sich die positiven Eigenschaften von Hitzfeld, Magath und Klinsmann«.
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Weia, da muss van Gaal aber noch ganz schön arbeiten, an sich und mit den Bayern. Und nun zum zweiten heißen Fußball-Thema der Woche, zumindest in Hessen: Hat Maik Franz seinen dunkelhäutigen Mainzer Gegenspieler rassistisch beleidigt? Zunächst einmal meine generelle, also absolut unmaßgebliche Meinung: Außerhalb des Sportplatzes mag das gesprochene Wort als Beleidigung gelten, auf dem Platz aber nicht, denn dort ist es meist kein gesprochenes, sondern ein erbrochenes Wort, Unrat, Müll, neudeutsch Trash Talk, den die Basketball-Profis der NBA sogar zur ausgekotzten Kunstform erhoben (»your game is as ugly as your girl«).
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Kommt aber Rassismus hinzu, wird aus gewöhnlichem Unflat schnell eine Staatsaffäre, was sich scheinbar Beleidigte gerne zunutze machen. Dazu der hübsche Satz eines deutschen Sportlers, der als Zuschauer eines Fußballspiels einen türkischstämmigen Akteur rassistisch beleidigt haben sollte: »Rechtsradikal zu sein, das ist ein ganz linker Vorwurf«.
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Patrick Owomoyela, ein kluger schwarzer Kopf, relativiert daher: »In der Hitze des Spiels sagt man schon mal was, einfach um Dampf abzulassen. Manchmal ist man so wütend und aufgeputscht, dass man dem Gegenüber irgendwas Beleidigendes an den Kopf werfen muss. Wenn einer lange Haare hat, wird er halt als ›schwule Sau‹ oder sonst was betitelt. Aber nach dem Spiel gibt man sich die Hand, und es sollte wieder gut sein. Man sollte nicht immer gleich mit der Rassismus-Keule kommen.«
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Als er noch nigerianischer Nationaltrainer war, wollte Berti Vogts den schwarzen Spieß umdrehen, indem er seinen schreibenden Kritikern im nigerianischen Lande vorwarf: »Würden weiße Journalisten mit einem schwarzen Trainer so umgehen, dann glaube ich, dass man von Rassismus sprechen würde.«
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Hat Maik Franz also, oder hat er nicht? Ich weiß es nicht, niemand weiß es, außer den beiden – im übrigen gleichermaßen verhaltensauffälligen – Kampfhähnen. Meine Moral von der Geschicht ist daher nur die individuelle Nutzbarmachung des rassistisch Beleidigtseins, denn wer auf die bösartige Idee kommen sollte, diese Kolumne zu kritisieren, den schlage ich mit Bertis Rassismus-Keule mundtot: »Würden Sie mit einem schwarzen Kolumnisten so umgehen, dann glaube ich, dass man von Rassismus sprechen würde!« (gw)

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Mittelhessenkrimi von gw