Archiv für den 9. Dezember 2009

Sport-Stammtisch

Alle redeten von Robben und Ribery. Sie seien die Heilsbringer, ohne sie die Bayern ein Allerweltsteam. Die Medien schrieben es, der »Kaiser« sagte es, Experten analysierten es, wir alle glaubten es.
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Wir alle? Nein, in einer kleinen mittelhessischen Kolumne regte sich schon früh Widerspruch. Nun, da die Bayern in Turin ohne Ribery und fast ohne Robben so beeindruckend wie vielleicht seit Jahren nicht mehr auftrumpften, blättern wir in der Anstoß-Chronik bis vor den Saisonbeginn zurück: In der Diskussion um Ribery und um mögliche Verstärkungen auf ähnlichem Superniveau werde vergesse, dass mit dem Laufwunder Olic ein entscheidender Wechsel schon getätigt sei, behauptete ich im Sommer …
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… wofür ich mir im Winter selbst auf die Schultern klopfen könnte, wenn ich nicht ebenso forsch verkündet hätte, dass der zweite entscheidende Wechsel die Münchner weiter voranbringen werde als Ribery und Toni zusammen: Timoschtschuk. Na ja, im Herbst kam der Ukrainer kaum zum Zuge, bald ist Winterpause, warten wir das Frühjahr ab.
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Ebenfalls vor Saisonbeginn angekündigt, quasi ex cathedra stammtischiensis: Beim Systemfußballprediger van Gaal sei kein Platz für Luca Toni, »denn während Klose in jedem System wertvoll ist und Gomez in vielen, beherrscht Toni nur eine Variante, das System Toni: Lauft für mich und bringt mir den Ball!« – Arriverderci, Luca, ciao bello!
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An van Gaal scheiden sich die Geister noch immer. Ein Anstoß-Leser aus Holland, früherer Nachbar van Gaals, beschrieb ihn uns als »geradlinig, eigensinnig, ›recht durchs Meer‹ und schwer zu Kompromissen bereit. Aber man wusste, was man an ihm hat(te)«. – »Recht durchs Meer«, hübscher holländischer Ausdruck (Original »recht door zee«). Dazu noch die verschrobene Seltsamkeit, sich von seinen Töchtern aus Respektsgründen siezen zu lassen – fertig ist der Kauz.
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Nun ja, auch in Frankreich soll interfamiliäre Siezerei nicht ungewöhnlich sein, zwecks ehelichen Erhalts erotischer Spannung. Daher fragt Monsieur Dupont seine Madame auch schon mal höflich: »Voulez vous coucher avec moi, ce soir?«

Veröffentlicht von gw am 9. Dezember 2009 .
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