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Montagsthemen

Nach wochenlangem Wahlkampf, stundenlangem Fernseh-Wahlabend und zeitungsvollfüllender Aufarbeitung will diese Kolumne eine Oase der Wahl-Losigkeit sein. Wahllos klicken wir daher auf eine beliebige der etwa tausend Sportnachrichten, die sonntagmorgens im Redakteurscomputer aufgelaufen sind. Aha, Klitschko. Des großen Wladi-Bruders Gegner größte boxerische Stärke war, dass er, so die Nachrichtenagenturen, »mit seinen Nehmerqualitäten überraschte«, also fast die Klasse eines Sandsacks zeigte.

Fast. Denn ein Sandsack schluckt zwar auch alles, doch er weint nicht. Das tat aber der Ami nach dem Kampf, echt weicheierig, was Klitschko besonders amüsiert haben dürfte, da ihn die US-Presse einst »Dr. No-balls« getauft hatte.

Schon hüpfen die Gedanken wahllos weiter zum verdienstvollen wissenschaftlichen Forschungsergebnis, dass die weibliche Brust beim Joggen ihrer Besitzerin pro Kilometer 84 Meter hoch und runter hüpft. Diese Studie im Auftrag der Sport-BH-Industrie legte auch die Grundlage für den Werbespot mit einer Tennisdiva: »Only the ball should bounce«. So wortspielen Englischsprachige mit »ball«, der im Singular Sportgerät, im Plural aber bei Männern Primär- und bei Frauen Sekundärgeschlechtliches bezeichnet.

Apropos Wortspiel. Lieblingswitz der englischmuttersprachigen Szenekomödiantin Gayle Tufts: »Kommt ein Pferd in einen Blumenladen und fragt: Ham se ma geritten?«

Kommt in meine Oberkalauer-Sammlung. Zurück zum Ball, dem unbekannten Wesen, das sich auch am Samstag im Frankfurter Stadion hessischer Kontrolle weitgehend entzog. Den Eintracht-Hype des Saisonstarts habe ich ausgesessen und ausgeschwiegen, um nicht als miesmachender Spielverderber zu gelten. Jetzt folgt auf Hochstimmung (»Europa, wir kommen!«) pathologisch zwangsläufig das abgrundhaftige Stimmungstief der Manisch-Depressiven. Zwischen den manisch-mainischen Extremen wiederholt Onkel-Psycho-Doktor »gw« seine alte Diagnose: Vom zu Recht allseits beliebten Pannen-Oka bis zum surrealerweise fanvergötterten »No-balls« (ohne Doktor-Titel) Caio stellt die Eintracht auch in dieser Saison nur Mittelmaß dar, was aber immerhin zumindest phasenweise vergnüglicher anzuschauen ist und angesichts der quantitativ gewachsenen qualitativ schwächeren Konkurrenz zu einem etwas besseren Tabellenplatz reichen dürfte als in der letzten Funkel-Saison.

Wem das Mittelmaß, der Durchschnitt, manisch-depressive Schauer den Rücken runterjagt, dem spendet Walter Kempowski Trost: »Wenn man weiß, dass man ein Durchschnittsmensch ist, dann ist man schon nicht mehr ganz so durchschnittlich«, behauptet der erst seit seinem Tod (2007) auch literarisch so richtig anerkannte Tadellöser&Wolff-Autor im Tagebuch »Sirius« (aus dem demnächst ein »Anstoß literarisch« sportliche »Stellen« zitieren wird). Und um nicht ganz Wahl-los zu enden: Ein anderer Kempowski-Romantitel tröstet alle enttäuschten Eintracht- und Partei-Anhänger: »Uns geht’s ja noch Gold!« (gw)

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Mittelhessenkrimi von gw