Archiv für den 10. September 2009

30 Jahre Sport-Stammtisch: Ver-rückte Sportgeschichte/n (25./ Das Rodel-Massaker)

November 1993. Schauplatz: Oberhof. Rodel-Weltcup. Abends in der Disco. Schlägerei zwischen Einheimischen und einem Fremden. Nicht schön, kommt aber vor. Oft. Täglich. Aber der Fremde kommt leider nicht aus dem Nachbardorf, sondern aus den USA, ist Rodler, ein schwarzer zudem. Und schon hatten wir den schönsten Neonazi-Skandal. Es waren 15 Mann, die den Rodler zusammenschlugen. Der wiederum stand anschließend völlig unversehrt von morgens bis abends vor den Kameras und gab Interviews. Niemand bemerkte das Absurde der Situation. Unsere Logik damals: »Von Oberhof bis Harlem weiß nun alle Welt, dass rechtsradikale Schläger nicht nur arm im Geiste sind, sondern in den Muskeln genauso wenig haben wie im Kopf. Tröstlich. Aber bevor schwarzer Humor missverstanden wird: Deutschland mag aus der Sicht eines paradiesischen Ideals zwar ein fremdenfeindliches Land sein, aber in der Wirklichkeit – also im Vergleich mit anderen Ländern – ist Deutschland eine der fremdenfreundlichsten Nationen dieser sehr fremdenfeindlichen Welt. Trotz des ›Rodel-Massakers‹ von Oberhof.«

Veröffentlicht von gw am 10. September 2009 .
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Mittelhessenkrimi von gw