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SGExtra: Mit Moschus gegen den Abstieg!

Ganz ehrlich, ich habe meine Oma geliebt! Dafür, wie sie mit mir sprach, wie sie mich ernst nahm, wie sie mir half, meine regelmäßigen finanziellen Engpässe mit zinsfreien und nicht rückzahlbaren Sonderkrediten zu überbrücken. Und wie sie roch! Nämlich nach literweise aufgetragenem 4711! Das passte zu ihr so wie ihre zumeist dunkelblauen Kittelschürzen. Das Einzige, was ich an ihr nicht mochte, ja regelrecht fürchtete, waren ihre Gute-Nacht-Geschichten. Denn kreativ, wie sie ihr Leben lang gewesen war, las sie diese nicht einfach vor, sie dachte sie sich aus. Und zwar ab dem Moment, in dem sie neben meinem Bett Platz genommen hatte. Und ich, der kleine Bub, lag jedes Mal zitternd unter der Decke und betete inständig darum, dass sie wenigstens diesmal das Genre wechseln würde. Was sie natürlich nie tat!
Wenn Stephen King überhaupt jemals einen würdigen Vorgänger gehabt hat, dann meine Oma! Und nicht, dass sie so etwas wie einen Spannungsbogen benutzt hätte. Eine kurze Einführung reichte ihr, um schon kurz darauf von irrsinnigen Gespenstern und Geistern zu erzählen, die besonders gut darin waren, Blut fließen und Köpfe rollen zu lassen oder armen Menschen von innen heraus das Gehirn wegzufuttern.
Vor allem bei der Gestaltung dieser Gespenster schien sie aus einer unendlichen Quelle morbider Phantasie zu schöpfen. Von durchsichtigen Schwebeheinis mit verfaulten Zähnen über welche mit drei Köpfen in einem Gewand aus schwarzem Glibber bis hin zu patchworkartigen Wesen, die einen Horrorelchkopf auf einem überdimensionalen Salamanderkörper spazieren trugen!
Ich glaube, kein Kind hat im Geiste mehr Gespenster gesehen und war zwangstrainierter im Umgang mit Horror als ich damals. Aber so groß und breit die Palette dieser Wesen auch gewesen war, auf ein besonders unangenehmes hatte sie mich seinerzeit trotzdem mental nicht vorbereitet. Nämlich auf dieses Abstiegsgespenst!
Und auch wenn es in seinem »Willkommen in der 2. Liga!«-T-Shirt auf den ersten Blick nicht ganz so grausig aussieht wie seine Kollegen, so beunruhigt es mich dieser Tage trotzdem. Zumal es eigentlich schon längst vertrieben sein könnte. Hätten Mahdavikia oder Steinhöfer nämlich in Hannover den Ghostbuster gegeben und ihre Chancen aus der Glasklarabteilung einfach genutzt – das Abstiegsgespenst könnte uns mittlerweile getrost kreuzweise. Und das kollektive Durchatmen eines kompletten Bundeslandes namens Hessen hätte man vermutlich weltweit anhand eines kurzen aber heftigen Hurrikans gespürt!
Aber so, dank dieser Versäumnisse und dank Gladbach, Bielefeld und Cottbus, schwirrt es immer noch um uns rum. Und jetzt kommen auch noch die Bremer, die eigentlich erst gegen Ende der Saison so richtig gemerkt haben, dass sie ein Topteam sind. Leichte Aufgaben sehen anders aus. Aber da ich hier nicht einfach nur rumjammern will, habe ich in den letzten Tagen gegoogelt, was es so alles an Geisteraustreibungsmöglichkeiten gibt.
Eine tatsächlich vorgeschlagene Methode ist zum Beispiel das Anzünden von Moschus-Räucherstäbchen, gekoppelt mit intensivem Gesang. Das erscheint mir in der Tat weder zu aufwendig noch undurchführbar. Also lasst uns am Mittwochabend alle diese kleinen braunen Stäbchen mitbringen, um sie auch noch im letzten Stadionwinkel anzuzünden. Und lasst uns so laut und innbrünstig singen wie nie zuvor! Ob der Gestank und unsere Lautstärke das Gespenst dann wirklich direkt vertreiben oder einfach nur dazu dienen, die Werder-Spieler ordentlich aus dem Konzept zu bringen, ist letztendlich egal.
Hauptsache wir machen was, damit dieser penetrante Dämon endlich aus unseren Köpfen verschwindet. Und damit endlich wieder Platz in unseren Gehirnen ist für unseren berühmten hessischen Optimismus, der uns dabei hilft, uns auf die neue Saison zu freuen! Ich finde, das haben wir Eintracht-Fans echt verdient! In diesem Sinne! Hendrik Nachtsheim

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Mittelhessenkrimi von gw