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SGExtra: Die Verpackung macht’s

Jemand übers Ohr hauen will gelernt sein! In Nairobi sind tatsächlich drei Männer für jeweils sechs Monate im Knast gelandet, weil sie versucht haben, in einer Bar Gallensteine als Edelsteine zu verkaufen! Da aber selbst der abgefüllteste Trinker diesen plumpen Betrugsversuch sofort durchschaute, wurden sie noch vor Ort abkassiert und kurz drauf vor Gericht gestellt!
Und auch wenn diese Aktion schon besonders doof und skurril war, so steht sie trotzdem in der guten alten Betrügertradition, Dinge »wertiger« zu verkaufen als sie in Wirklichkeit sind. Und vieles davon funktioniert ja auch nach wie vor.
Ob es gepanschte Weine sind, die man mit edlen Etiketten versieht, oder umgespritzte Autos, deren wahres Alter man mit viel Lack und dem Zurückdrehen des Tachos geschickt kaschiert (was ja auch das Prinzip von Schönheitsoperationen ist). Ob gefälschte Antiquitäten, die in Wirklichkeit einfach nur runtergekommener Schrott sind, oder geschickte Nachbauten schweineteurer Armbanduhren, man manipuliert so lange die Verpackung, bis man den Inhalt gar nicht mehr richtig wahrnimmt.
Auch in der Bundesliga hat das mitunter öfter Methode als uns das lieb sein kann. Das fängt bei der ein oder anderen Berichterstattung im Fernsehen an, in der man uns einen langweiligen Kick als heißblütigen Schlagabtausch verkaufen will, geht über das Hochstilisieren mittelmäßiger Spieler, die eigentlich keine Sau kennt, die man uns aber in einem Atemzug mit Christiano Ronaldo oder Messi verkaufen will, und gipfelt in peinlichen Außendarstellungsversuchen, wie zum Beispiel dem von Schalke 04.
Denn auch wenn die Blau-Weißen sportlich wieder einigermaßen Fuß gefasst haben, ändert das nichts daran, dass es dort dank einer offenbar durchgehend hochgradig bekifften Vorstandsetage drunter und drüber geht. Absurde Personalentscheidungen, absurde Spielertransfers, absurde Trainerspielchen und ein absurder Präsident rammen das Image des Traditionsvereins seit Jahren dermaßen vehement in den Rasen ihres Bier-Stadions, dass es schon eine wahre Pracht ist. Und während sie das machen, erzählen sie uns gut gelaunt, wie gesund, wie klug und wie sehr »ihr« Club auf dem richtigen Weg ist!
Oder nehmen wir Bayern München! Auch dort versuchen sie permanent, ihre dieses Jahr recht durchschnittlichen Weißwürste als Filetspitzen zu verkaufen, und keine noch so abgedroschene Floskel ist ihnen dabei zu blöd. Schade nur, dass es ihnen keiner so recht glauben mag. Selbst wenn sie am Ende doch noch Meister werden sollten, Souveränität und Klasse sehen definitiv anders aus.
Wobei es übrigens auch noch das Modell gibt, bei dem man die Verpackung absichtlich besonders mies gestaltet, um vom eigentlich guten Inhalt abzulenken. Wenn zum Beispiel Felix Magath nach den Spielen seiner Wolfsburger von seinen Spielern spricht, klingt das mitunter so, als hätten diese das Spielverständnis von Zombies, denen man gerade zum ersten Mal einen Ball vor die fauligen Füße geworfen hat. Da muss man danach dann doch noch mal schnell auf die Tabelle schauen, um sich wieder klarzumachen, dass sie derzeit Erster sind!
Zum Glück gibt es aber auch noch all jene Vereine, die uns in dieser Saison, so oder so, nichts vormachen wollen. Einer davon, und das sollten wir uns gerade jetzt unbedingt bewusst machen, ist die Eintracht! Weder der Vorstand noch der Trainer haben zu irgendeinem Zeitpunkt, ob jetzt vor Saisonbeginn oder mittendrin, den Mund zu voll genommen. Selbst viele der Spieler, und da gibt es ja immer ein paar Laberkandidaten, haben sich zurückgehalten. Keine üppigen Uefa-Cup-Prognosen, keine 45-Punkte-plus-X-Ankündigungen usw. Als hätten sie geahnt, dass das eine unterm Strich wirklich schwierige Saison wird.
Seit Samstag ist die Eintracht trotz ihres Dauerlazaretts Elfter und hat damit die beste Platzierung der Saison inne (mit der kleinen aber angenehmen Begleiterscheinung, dass sie das erste Mal vor Köln steht, ätsch!). Und selbst, wenn die Mannschaft diesen Platz aufgrund der nächsten schweren Spiele nicht halten kann, so hat sie uns mit dem 4:1 gegen Gladbach aber zumindest gezeigt, dass sie gut und willensstark genug ist, um mit der insgesamt ungemütlichen Saisonsituation umzugehen!
Wenn trotzdem gerade jetzt jemand im Stadion immer und immer wieder den Kopf des Trainers fordert oder ausgerechnet beim Spiel gegen die Borussia mehr Kampfgeist verlangt, ist das das Ausblenden von Tatsachen – und schlichtweg falsch!
Natürlich stehen in allererster Linie immer Vorstand, Trainer und Spieler in der Verantwortung für den Zustand eines Vereins und die dementsprechende Stimmungslage. Sie sitzen vorne im Boot und müssen dafür sorgen, dass es in die richtige Richtung geht. Aber manchmal … und jetzt ist gerade manchmal … sind auch wir Fans gefordert, die richtigen Signale zu geben. Dass das zurzeit eine ganze Reihe Leute nicht checken und immer wieder ausblenden, was diese Saison eigentlich für ein mitunter fieser Kraftakt für alle Beteiligten war, ist leider das Gegenteil von klug.
Ein Platz in der Sicherheitszone der Liga ist zwar kein Edel- aber eben auch kein Gallenstein! Statt wie schlecht gelaunte Opas ständig rumzumotzen, sollten wir einfach versuchen, diese Saison gemeinsam mit einem gewissen Anstand zu Ende zu bringen.
Wünschen wir ihnen einfach Glück für das sicher schwere Spiel in Stuttgart! In diesem Sinne!
Hendrik Nachtsheim

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Mittelhessenkrimi von gw