Montagsthemen
Warum die Bayern in München gegen Köln verlieren und in Lissabon 5:0 gewinnen, das fachlich zu erklären, überlasse ich lieber den »Experten« . . . so zog ich mich im vorletzten Sport-Stammtisch aus der Affäre, um heute montagsthematisch fortzuschreiben: In Bremen trotz Überzahl grau-grausam 0:0 zu »verlieren« und in München mit Spaß-Fußball Hannover 5:1 abzufertigen, das zu erklären, überlasse ich lieber . . . usw.
Auch mit den Krawallen von Karlsruhe bis Hamburg kann ich fußballthematisch nichts anfangen, denn sie haben mit Fußball im doppelten Sinne nichts zu tun. Fußball bietet wegen des größeren Aufmerksamkeitspotenzials nur die ideale Bühne, um sich aggressiv und kriminell auszutoben.
Außerdem hält sich das Eigenrisiko in angenehm engen Grenzen: Stadionverbot (haha!) statt Knast, verletzt werden fast ausschließlich Polizisten, und wenn man Glück hat, sieht man sich selbst im Fernsehen und kann noch seinen Enkeln per youtube zeigen, welch toller Hecht der Opa einst war. Mit Kirmesschlägereien verfeindeter Nachbardörfler dagegen kann man nur in der Dorfkneipe renommieren, außerdem ist Kirmes nur an einem, Fußball an fast jedem Wochenende.
Sogar in der Schweiz. Als der FC Zürich kürzlich in Basel verlor, wollte ein Zeitungsreporter die Stimmung der Fans auf der Heimfahrt beschreiben. Er setzte sich im Zug in den Waggon der Zürich-Ultras, klappte seinen Laptop auf . . . muss ich weiter schreiben?
Geschlagen, getreten, aus dem Zug geworfen, na klar. Noch Glück gehabt. Andere werden zerfleischt, wenn sie in den Löwenkäfig klettern, um die possierlichen Tierchen aus nächster Nähe zu beobachten. Am meisten schockiert hat den Naivling aber, dass es schon genüge, Journalist zu sein, um die Aggressionen der Fans auf sich zu ziehen.
Apropos: Der Sohn eines Kollegen sucht fieberhaft nach einer Praktikumsstelle. Die vom Vater angebotene in der Redaktion lehnt er verächtlich ab - er wolle einen richtigen Beruf kennenlernen.
Manche Probleme behandelt der Fußball sehr elegant: Dopingfall Hoffenheim gelöst – der Mörder ist immer der Masseur. Sauber! Zu diesem Thema fiele mir noch ein, dass Chambers ungedopt schneller sprintet als früher schmutzig (echt saubere Leistung, das erkläre mal einer!) und dass die Antidoping-Hasen frohlocken, weil ein Urintest zum Nachweis von Wachstumshormonen entwickelt werden soll, während die Doping-Igel an dieser Nachricht nur ein Wort interessiert (»soll«) und der Logiker seinen üblichen resignierten Schluss zieht. Doch um der guten Sache willen ziehe ich es vor, von einem großen Erfolg zu berichten: Ein Mitglied des österreichischen Seniorenkaders wurde positiv getestet und für zwei Jahre gesperrt. Der alte Herr muss ein Herzmittel einnehmen, hat dafür eine Ausnahmegenehmigung, aber vergessen, diese verlängern zu lassen. Erwischt! Gesperrt! Im Mini-Golf! Echt wahr!
Nicht getestet wurde ein Seniorenfußballer, obwohl er einen verdächtigen Rekord aufgestellt hat, ähnlich wie Sanogo mit seinen drei Pfosten-Zielwasserschüssen: In einem Pokalspiel des Landesligisten ATSV Wattenheim verwandelte der reaktivierte 40jährige Präsident des Klubs einen Eckball direkt. Kein Glücksschuss, der Mann kann das. Er ist mit drei Treffern auch Bundesligarekordeckballtorschütze. Name: Mario Basler.
Das beweist: Rekorde sind auch ohne Anabolika, Wachstumshormone und Epo möglich. Und damit zum versöhnlichen Schluss, ganz ohne Ironie und Sarkasmus, dafür mit echter sportlicher Freude (Dank an Leser »Bismarck« für den Hinweis): In Holland schoss ein Ajax-Spieler, nachdem der Ball vom Gegner wegen eines verletzten Spielers ins Aus gespielt worden war, nach dem Einwurf den Ball von der Mittellinie aus fair weit in die gegnerische Hälfte. Leider traf der Ajax-Profi den Ball ungewollt so unglaublich gut, dass er ein sensationelles Tor schoss. Auf dem Platz schauten alle verdutzt. Was tun? Anstoß, die Ajax-Spieler bleiben reglos stehen und lassen den Gegner ein Tor schießen. Kann man sich immer wieder ansehen. Bei youtube. Manchmal also doch: Inter-nett. (gw)
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