SGExtra: Im Namen der Rosen
Wissen Sie, was das Gemeine an einem Garten ist? Dass Unkraut in zwei Monaten wächst, eine Rose aber fast ein ganzes Jahr zum Erblühen braucht! Und nicht nur das, denn passt man nicht auf, wird aus dem Gartenschmuckstück dank der ungebetenen Parasiten ruckzuck eine unansehnliche Kraut-und-Rüben-Landschaft.
Beim Fußball ist es mitunter ähnlich, manchmal reichen ein paar Wochen aus, um die Früchte einer eigentlich guten Saison doch noch so stark anfaulen zu lassen, dass man sie letztlich dann doch in die Tonne kloppen muss.
Nun will ich hier in Sachen Eintracht weder den Teufel an die Wand malen noch anfangen zu stänkern. Ganz abgesehen davon, dass ich ja erst letzte Woche an gleicher Stelle noch geschrieben habe, dass uns die Eintracht vor Saisonstart keine Wunder versprochen hat, und wir insgesamt mit dem Erreichten zufrieden sein sollten. Aber Spiele wie das in Stuttgart machen es auch wohlgesonnenen Fans nicht gerade leichter, in eine Art buddhistische Saisonausklangsstimmung zu fallen!
Was bitteschön war das? War das einfach nur frühes Pech mit Schockwirkung, das dann dummerweise den Stuttgarter Spielrausch ausgelöst hat? Oder war das VfB-Spiel der späte Beweis für die These von René Descartes, einem französischen Philosophen, der 1640 erstmals behauptet hat, dass der Geist eines Menschen durchaus auch ohne den Körper auskommen, bzw. funktionieren könne, allerdings nur so rum, andersrum nicht! Das würde es doch einigermaßen tröstlich erklären, nämlich dass die armen, wehrlosen Spielerkörper ruckzuck drei Stück eingeschenkt bekommen haben, weil der Rest noch irgendwo zwischen Karlsruhe und Pforzheim am Rumschweben war! Oder wurden wir einfach nur Zeugen einer ganz profanen und auf »null Bock« basierenden Arbeitsverweigerung?
Ich weiß es nicht. Aber eines weiß ich: dass sich die Spieler nicht viele solcher Darbietungen leisten können. Denn auch wenn es im Fußball nicht ganz so kalt zugeht wie im Bankengewerbe, so sind auch Fankredite nicht unbedingt immer Anleihen für die Ewigkeit!
Von daher konnte ich abends, als Besucher eines wunderbaren Konzertes meiner Ex-Band »Rodgau Monotones«, durchaus nachvollziehen, dass auch wirklich treue Eintrachtfans erstmal ausgesprochen sauer waren. Wobei natürlich jeder seine eigene Ursachenforschung betreibt.
Ich glaube, am Samstagabend habe ich um die 20 verschiedene Erklärungen gehört, warum die Eintracht in Stuttgart vorgeführt worden ist, und die letzten Wochen allgemein nicht gut gelaufen sind. Von ausgesprochen spannenden wie: »De Funkel erreicht die Spieler net mehr!« über bestechend intelligente: »Des is wie beim Turmbau zu Babel… die eine babbeln Griechisch, die annern Japanisch oder Tschechisch… kaan Wunner, dass die sich net verstehe…«, sportwissenschaftlich hoch qualifizierten: »Wahrscheinlich sind se müd, gell?« bis hinzu tiefmystischen: »Ich hab seit zwei Monate e Freundin aus Offebach. Seitdem hat die Eintracht einen einzische Punkt geholt. Da stimmt was net!« Es war so ziemlich alles dabei. Was mal wieder beweist, dass kein Bundesland über eine dermaßen große geistige Bandbreite verfügt wie Hessen!
Und genau in dieser Phase der kollektiven Wahrheitsfindung kommt der VfL Wolfsburg, angeführt von Felix »Multitasking« Magath! Ich glaube, es gibt keinen Verein, bei dem einer so viele Ämter gleichzeitig innehat, ob jetzt Trainer, Manager, Platzwart, Busfahrer oder Masseur.
Aber auch wenn eine gewisse Vielseitigkeit oftmals von Nutzen ist, so braucht es aus Frankfurter Sicht heute Abend eher etwas anderes. Nämlich die Bereitschaft aller Spieler, die sich am Samstag kollektiv haben demütigen lassen, sich diesmal genauso kollektiv alles aufzureißen, was man sich für eine Wiedergutmachung so aufreißen muss! Okay, das klingt zugegebenermaßen nicht besonders elegant… dann formuliere ich es etwas anders: alle Eintrachtbotaniker sollten heute Abend in munterer Gemeinschaftsarbeit jegliches Unkraut der letzten Wochen beseitigen, um so den Rosen genügend Platz zu verschaffen, auf dass diese auch in Zukunft strahlend erblühen..! In diesem Sinne!
Hendrik Nachtsheim
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