SGExtra: Der indische Dieb in mir
Das mit der richtigen Selbstwahrnehmung und der realistischen Einschätzung bestimmter Ereignisse ist nicht unbedingt immer jedermanns Sache!
Im südindischen Bundesstaat Andhra Pradesch z.B. hat ein Dieb ein paar Tage nach einem von ihm verübten gewaltsamen Einbruch bei der Polizei tatsächlich telefonisch Anzeige gegen den von ihm Bestohlenen erstatten wollen, da dieser ihm beim Überfall falsche Werte bezüglich der Beute genannt hatte. Statt der angegebenen 13 000 Euro seien die Juwelen sowie andere Wertgegenstände laut Schätzung von »Experten« gerade mal 5000 Euro wert gewesen, und das sei ja wohl Betrug!
Nachdem die verblüfften Polizisten vergeblich versucht hatten, ihn zu überreden, sich zu stellen, legte der wütende Dieb auf und rief stattdessen auch noch beim Opfer direkt an, um ihn auf das Übelste zu beschimpfen! Danach verschwand er dann stinkewütend in der Versenkung.
Nach den Spielen gegen Nürnberg, Hannover und jetzt Dortmund war ich auch erstmal ziemlich sauer oder sagen wir: doch ganz schön enttäuscht.
Die Vorstellung, dass die Eintracht statt einem Punkt durchaus auch derer sieben oder gar neun aus diesen Partien hätte holen können, macht einen beim Blick auf die Tabelle natürlich erstmal kirre! Also ertappte ich mich dabei, unmittelbar nach dem Freitagspiel rumzumaulen, und das Ende der Saison herbeizusehnen. Als ich dann aber diese Zeitungsmeldung las, fragte ich mich, ob ich in Sachen »Eintracht« nicht vielleicht auch so ein bisschen bin wie der bekloppte Dieb aus Indien. Basierte meine Wut nicht vielleicht vor allem auf meiner eigenen, von mir sorgfältig gepflegten Erwartungshaltung? Da die Beantwortung solcher innerpsychologischen Fragen nicht ganz einfach ist, zog ich mich erstmal in eine ruhige Ecke zurück, um darüber nachzudenken. Und bestimmte Dinge mit mir selber zu diskutieren. Ob die Eintracht uns z.B. zuviel versprochen hat für diese Saison? Ob tatsächlich sie es war, die uns Begriffe wie »Uefacup« oder zumindest »UI-Cup« in die Köpfe gezaubert hat?
Hätte sie tatsächlich all diese schwächelnden Mannschaften wegputzen müssen statt ihnen zu unterliegen bzw. ihnen einen Heimspielpunkt zu überlassen?
Nun will ich hier kein »Wort zum Mittwoch« fabrizieren, und bei all meiner Fanloyalität auch nicht zu gutmütig daherkommen, aber ich glaube, die Eintracht war über den Großteil der Saison ehrlich zu uns. Sie hat Wort gehalten, dass sie diesmal nichts mit dem Abstieg zu tun haben würde.
Sie hat spielerisch Fortschritte gemacht. Und junge Spieler, um deren Weiterentwicklung wir letzte Saison bangen mussten, wie z.B. Marco Russ oder Patrick Ochs, haben ihre diesbezügliche »Auszeit« beendet und werden mittlerweile schon mit der Nationalelf (nach der EM) in Verbindung gebracht. Auch die Teilnahme an internationalen Wettbewerben hat uns die Eintracht zu keinem Zeitpunkt wirklich versprochen, selbst wenn sie uns mit den Fenin-Toren in Berlin und dem Sieg in Leverkusen und Platz sieben kurzzeitig mal ziemlich den Kopf verdreht hat. Aber wenn uns Männer eine hübsche Frau anlacht, heißt das ja auch nicht gleich, dass sie wilden, hemmungslosen Sex mit uns haben will… selbst wenn wir es gerne so interpretieren.
Wie gesagt: die Eintracht war eigentlich ziemlich ehrlich in den letzten Monaten. Und jeder, der das anders empfindet, sollte noch mal genau nachschauen, mit welcher Handschrift sein persönlicher Saisonwunschzettel letztes Jahr geschrieben wurde. Meinen jedenfalls habe ich im Sommer 2007 selber verfasst, ohne dass mir Friedhelm Funkel, Heribert Bruchhagen oder die Spieler dabei reingeredet hätten!
Dass die Eintracht derzeit eine Durststrecke zu überstehen hat, kommt zudem auch nicht wirklich überraschend, zumal sie wenig personelle Alternativen hat. Außerdem gehört das auch bei jedem anderen Team während einer Saison dazu. Aber jede solcher Strecken hat auch ein Ende. Und warum in den letzten Spielen, bei denen es gleich dreimal gegen höher platzierte Teams geht, nicht einfach noch mal ordentlich die vermeintlich »Großen« ärgern? Z.B. am Samstag in Stuttgart! Und wenn es dort dann doch, ähnlich wie im Hinspiel, eine Packung geben sollte, können wir sie ja immer noch… also ich kenne da einen super Anwalt, der hat schon ganz andere Dinger geschaukelt…! In diesem Sinne!
Hendrik Nachtsheim
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