Michael Jungfleisch-Drecoll: Angeregt durch “Ohne weitere Worte”

Martin Schulz hat Angela Merkel angeboten, nach der Wahl in sein Kabinett einzutreten und Vizekanzlerin zu werden. Das hört sich (…) ein bisschen so an, als hätte der Präsident des SV Elversberg Lionel Messi angeboten, nach der Winterpause in die Regionalliga Südwest einzutreten, um dort rechter Verteidiger zu werden. (Peter Dausend in der Zeit)
Sollte Messi dieses Angebot wider aller Erwartungen doch ablehnen, habe ich für den SV Elversberg einen ganz heißen Tipp: nehmt doch Martin Schulz, den bisher verhinderten Fußballprofi!!! (Michael Jungfleisch-Drecoll)

Geschrieben von gw am 18. September 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, Mailbox.

Ohne weitere Worte (vom 19. September)

Das von Pep Guardiola messerscharf geschmiedete Pass- und Positionsspiel ist stumpf, langsam, ungenau geworden. Pässe der Bayern wirken oft nicht mehr wie der Teil eines Plans, sondern wie das Weiterreichen eines Problems. (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen nach dem Spiel gegen Anderlecht)
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Energiegeladene Offensivdarbietung. (…) Es fluppte zum Auftakt des Oktoberfestes, bei dem die Bayern traditionell in Baller- und Siegeslaune sind. (…) War es ein Wendepunkt, die Wiederentdeckung des Spielwitzes und des Teamworks? (Frankfurter Allgemeine online nach dem Spiel gegen Mainz)
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»Schubladen kann man immer wieder aufmachen, und es gibt viele, die machen das gerne. (…) Wenn ich heute lese: ›Bad Boy.‹ Das schreibt jemand, der einfach nur die Schublade aufmacht, weil er keine andere Idee hat. Wenn man mich jetzt kennenlernt, sollte man was anderes schreiben, um sich selbst auf ein anderes Niveau zu hieven.« (Kevin-Prince Boateng im Interview der Frankfurter Rundschau)
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»Wenn man in der Öffentlichkeit steht, muss man sich darüber im Klaren sein: Es wird über einen geschrieben, und es ist in den seltensten Fällen genau so, wie man sich selbst sieht.« (Thomas Müller im Kicker-Interview)
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»Vielleicht ist 18 Uhr eine gute Zeit für Amateurvereine, da sind sie wieder nüchtern und noch nicht wieder besoffen.« (Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann über die Probleme der neuen Bundesliga-Anstoßzeiten für die Amateurvereine, zitiert in der Bild-Zeitung)
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»Ich war auch mal der jüngste Trainer in der Bundesliga.« (Friedhelm Funkel im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Ich bin oft zu unterkühlt. So wie ich versuche, eine 0:6-Klatsche sachlich zu nehmen, gehe ich auch mit einem 3:0-Sieg um. (…) Ich würde mir sogar für meine Spieler mal einen Jubellauf von mir zur Eckfahne wünschen. Damit die sehen: ›Heute haben wir was richtig Gutes gemacht, sogar der Alte flippt aus.‹« (Gladbachs Trainer Dieter Hecking im 11Freunde-Interview)
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»In Düsseldorf arbeite ich das erste Mal mit einem Mentaltrainer zusammen und habe gemerkt, wie wichtig das für die Spieler ist. Früher hast du ja noch gedacht, du wirst krank,wenn du dich mit so einem Mann unterhältst.« (Funkel in der FAS)
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Guimaraes (Anm.: trat in der Europa League  ohne einen einzigen Europäer an) ist quasi das Energie Cottbus Europas. Der damalige Trainer Eduard Geyer schickte in der Bundesliga schon (…) 2001 eine Mannschaft mit elf ausländischen Spielern in die Partie gegen den VfL Wolfsburg. (…) »Wir waren damals schon einen Schritt weiter. (…) Nehmen Sie mal die ganzen Ausländer von Bayern weg, dann spielen die zweite Liga.« (aus der FAS-Kolumne »Schluss für heute« von Michael Wittershagen)
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»Nach China hätte ich gehen können vor ein paar Jahren. Aber was will ich in China? Das ist ja furchtbar.« (Funkel/FAS)
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Martin Schulz hat Angela Merkel angeboten, nach der Wahl in sein Kabinett einzutreten und Vizekanzlerin zu werden. Das hört sich (…) ein bisschen so an, als hätte der Präsident des SV Elversberg Lionel Messi angeboten, nach der Winterpause in die Regionalliga Südwest einzutreten, um dort rechter Verteidiger zu werden. (Peter Dausend in der Zeit)
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Wie viel Physikerin steckt eigentlich noch in Ihnen? (…) – »In der Physik redet man nicht so viel und wenn, hält man nur kurze Vorträge. Mich hat sehr gestört, dass man in der Politik viele Dinge mehrmals wiederholen muss. In der Naturwissenschaft dagegen muss jeder Vortrag etwas Neues beinhalten, sonst ist man fehl am Platz.« (Angela Merkel im Bild-Interview. Interviewer: Philip Lahm)
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Klare Worte findet Fernsehsternchen Nathalie Volk, die (…) bei der Verleihung des Deutschen Radiopreises (…) sagte: »Fürs Radio bin ich zu hübsch.« All die hässlichen Radio-Vögel um sie herum werden das nicht gerne gehört haben – und auch wir verstehen erst jetzt, was unsere Ausbilder bei der Journalistenschule meinten, als sie sagten: Einer wie du muss auf jeden Fall zur Zeitung. (aus »Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der FAS)
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Mir ist der Schulzsche Vorstoß überaus sympathisch. Ich gehe nämlich schon länger mit der Idee schwanger, meinem Chefredakteur anzubieten, ins Berliner Hauptstadtbüro zu wechseln und mein persönlicher Referent zu werden. (Dausend/Zeit)
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Viele Flüchtlinge können weder lesen noch schrieben. (aus dem Pinneberger Tageblatt, gefunden im Spiegel-»Hohlspiegel«)  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 18. September 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß.

Montagsthemen (vom 18. September)

Ein Tor von Müller, zwei von Lewandowski, auch Gesamtleistung wieder top – schon fachsimpeln, Betonung auf »simpeln«, die »Experten«, wer denn nun was in der aufgeregten Bayern-Woche richtig gemacht hat. Im Zweifelsfall, lese ich hinter ihren Stirnen, sie selbst mit ihren hilfreichen Expertisen. Nicht im Zweifelsfall, sondern ganz sicher werden sie nach Schalke oder Paris neue aus ihrer gemeinsamen Schublade ziehen.
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Aber ich will nicht schon wieder das alte Lied anstimmen. Die alte Leier ist ausgeleiert. Zum Kehraus nur noch einmal die Geschichte meines Lieblings-Experten Guy, der sich bei der BBC in London als Buchhalter bewarb. Steht an der Rezeption, wartet, aufgerufen zu werden. Kommt ein Mann, fragt nach Guy. Guy meldet sich. Er soll mitkommen, schnell, schnell, es eilt. Wird in ein Zimmer geschoben, auf einen Sessel gesetzt, eine schicke Blonde sitzt vor ihm, stellt ihn als Herausgeber einer Technology-Website vor. Er soll ein Gerichtsurteil zum Downloaden von Musik kommentieren. Tut er auch. Beantwortet alle Fragen. Ausweichend, freundlich, ahnungslos, aber gutwillig und engagiert. Ist schließlich sein Bewerbungsgespräch als Buchhalter. Dann kommt der richtige Guy rein, ein Fachmann für Internet-Rechtsfragen. Verspätet. Und so hatte unser Guy seinen Auftritt als Experte im BBC-Fernsehen.
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Herrlich auch die trockene Antwort von Friedhelm Funkel (Quelle: FAS-Interview) auf die Frage, ob er, wie die angesagte junge Trainer-»Generation Y«, einen Matchplan habe: »Nein, aber ich habe einen Plan.« Niko Kovac, einer seiner Nachfolger in Frankfurt, hat ebenfalls einen Plan. Heimniederlage  gegen einen Kontra-Abstiegs-Konkurrenten, das ist zwar ein schmerzhafter Rückschlag, doch trotz des prompt alarmierten Panik-Bereitschaftsdienstes bleibe ich dabei: Was Kovac in Frankfurt gemacht hat und macht, gehört zu den besten Trainerleistungen dieser Jahre. Komme, was wolle.
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Die Loyalität mit Kovac ist keine emotionale, sondern eine sachlich begründete. Die mit Jan Ullrich dagegen könnte an Irrationalität grenzen. Aber nur, falls .. aber zunächst diese Mail von Walther Roeber aus Bad Nauheim: »Auch wenn Sie nichts auf ihn kommen lassen: dass JU bei 1,8 Promille und >50km/h Geschwindigkeitsüberschreitung so billig vor Gericht davonkommt, ist schon bedauerlich.« – Volle Übereinstimmung! Als Sportler lasse ich zwar in der Tat nichts auf ihn kommen, aber Fahren mit 1,8 Promille ist kein Kavaliersdelikt, sondern kriminell, vor allem bei einem Wiederholungstäter, zumal wenn man weiß und schon einmal getestet hat, wie viel man, sorry, saufen muss, um 1,8 Promille zu erreichen. Eine andere prominente Persönlichkeit der jüngeren deutschen Zeitgeschichte hat es trotz größter Bemühungen nur auf 1,5 Promille gebracht.
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Aua. Das tat schon beim Hinschauen weh. Als ein Bremer den eigenen Mitspieler am Kopf und ins  eigene Tor traf, zuckte man nur zusammen. Bei Keitas Tritt gegen den einschlägig erfahrenen Kramer (WM-Finale!) floss viel  Blut, es blieb aber weitgehend folgenlos. Als sich Kruse das Schlüsselbein brach, packte mich, einen erfahrenen   Schlüsselbeinbrecher, echtes Mitleiden. Aber was dem armen Christian Gentner widerfuhr, ist einfach nur schlimm. Mehrere Brüche am Kopf. Grauselig.
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Verletzungen, Blut, Brüche, – das schreit nach den Merseburger Zaubersprüchen. Kennen Sie nicht? Sie gehören zu den frühesten und schönsten Zeugnissen lyrischer deutscher Sprache: »Phol ende Wuodan vuorun zi holza. / du wart demo Balderes volon sin vuoz birenkit.« Da reiten also zwei in den Wald, des einen Pferd (volon/Fohlen) verrenkt sich den Fuß. Dann folgt der Zauberspruch: »sose benrenki, sose bluotrenki, sose lidirenki: ben zi bena, bluot zi bluoda, lid ze gelieden, sose gelimida sin.« Übersetzt sich fast von allein: Bei Bein-, Blut- und Glieder-»Verrenkung« möge Bein wieder zu Bein, Blut zu Blut, Glied zu Glied kommen, so wie sie »geleimt« sind. – Gute Besserung, Christian Gentner!
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Anderes Thema, aber noch so eins wie die »Experten«, es wird also ausgemustert: »Mohrenkopf.« Wegen Übersättigung. Beziehungsweise ausgeleierter alter Leier. Es ist ja auch fast schon politisch korrekt, sich über die politische Korrektheit der diversen Umbenamungen zu belustigen. Ein Interview mit einem österreichischen Sprachwissenschaftler in der Samstags-SZ bringt mich jedoch  auf eine neue Idee. Sie könnte mich reich machen, aber ich fürchte, sie lässt sich nicht patentieren. Angestoßen von einem Lübecker Kaffeehaus, das seine »Mohrenkopf«-Torte in »Othello«-Torte umbenannt hat, stellte sich auch die Frage, ob man nicht verdächtig rassistisch klingende Bergnamen wie den  »Mohrenkopf« in Vorarlberg umbenennen müsste. – Heureka! Warum nur Mohrenköpfe? Jeder Berg bietet sich an. Warum nicht den Sport als Beispiel nehmen? Wie das Volksparkstadion. Und viele andere, die wechselnde Sponsorennamen tragen. Oder die Hochs und Tiefs, die man sich kaufen kann. Wenn also der Mount Everest demnächst auf den Markt kommt, biete ich mit. Hundert Entenhausener Taler (ich bin nicht Dagobert) für ein halbes Jahr “Mount gw” – wer bietet mehr? (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 17. September 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß.

Sonntag, 17. September, 6.40 Uhr

Schock in der Morgenstunde. Ich will die FAS aus dem Briefkasten holen, da sehe ich im Dunkeln (oder im Dunklen?) einen großen weißen Fleck mitten auf der Straße. Unsere kleine, zarte weiße Katze? Überfahren in der Nacht? Sie muss schon einmal überfahren worden sein, war tagelang verschwunden und kehrte mit verschorften Wunden und verformtem Köpfchen zurück, seitdem gibt sie beim Essen und Trinken gräuliche Geräusche von sich. Aber Entwarnung: Es ist ein weißes Kleidungsstück. Hat wohl ein Kneipenbesucher verloren, der oben auf der Burg zu heftig  gefeiert hat.

Christian Gentner hat es nicht ganz so schwer erwischt wie damals die Katze, aber schwer genug. Diverse Brüche am Kopf. Kruse bricht sich das Schlüsselbein. Keuta tritt Kramer gegen den Kopf, ein Bremer trifft den eigenen Spieler am Kopf und gleichzeitig das eigene Tor. Verletzungen, Brüche, Blut – das schreit nach den Merseburger Zaubersprüchen. Ben zi bena usw., muss ich nachher aus dem Archiv klauben, “schönes” Thema für die nachher zu schreibende Kolumne.

In den Meldungen der Nacht lese ich, dass sich Hamas  und Fatha einigen wollen. Fatha ist die ältere palästinensische Gruppe, ich kenne sie seit … ha, ich schaue mal nach, im “Sport-Leben” (Link rechts), denn ich erinnere mich, mein Kennenlernen der Fatah dort beschrieben zu haben. Moment … voila, hier ist es:

Im Studentenhochhaus wohne ich in einem Zimmer mit Abdullah, einem Jordanier, der mir stolz zu verstehen gibt, daß er Al-Fatah-Mitglied ist. Ich interessiere mich im Sommer 1970 nicht für den israelisch-arabischen Konflikt und weiß kaum etwas über Al Fatah. Abdullah will mich über den Kampf seines Volkes aufklären, doch da er dies regelmäßig erst ab drei Uhr morgens tut, stößt er auf wenig Gegenliebe. Abdullah stellt mittags den Wecker, schläft bis in die Nacht und reißt sich und mich um Punkt drei aus dem Schlaf. Er schaltet das Licht ein, öffnet das Fenster, setzt sich an seinen Schreibtisch und sucht in seinem Weltempfänger den Al-Fatah-Sender. In Minutenschnelle ist die Zimmerdecke schwarz von Fliegen und Faltern. Ich grunze Abdullah grimmig an, wenn er seinen Al-Fatah-Vortrag halten will, drehe mich auf die andere Seite und gleite, von aufgeregten arabischen Stimmen und orientalischer Musik sowie Knarz-, Piep- und sonstigen Kurzwellen-Störungen geleitet, zurück in den unsanft unterbrochenen Schlaf. Ich mache im Dienste der Völkerverständigung zunächst gute Miene zum nächtlichen Spiel, doch als ich erstmals Stagnation auf der Waage feststelle, ist meine Toleranzgrenze überschritten. Schlafmangel zehrt am Gewicht und damit an der Leistung, Schluß mit Völkerverständigung. Als in der nächsten Nacht der Wecker rappelt, schreie ich Abdullah wütend an: »Noch einmal, und ich schmeiße ihn aus dem Fenster!« Abdullah reagiert nicht, fummelt am Radio. Ich schlafe ein. Plötzlich kniet Abdullah auf meinem Bett, rüttelt mich, brüllt mir begeistert ins Ohr: »Hör zu, das ist beste jordanische Sängerin.« Aus Nahost schallt eine klagende Stimme an mein Ohr, angereichert mit dissonantem Wellensalat. Unwillig schüttele ich den Schlager-Fan ab, das Leichtgewicht Abdullah kullert auf den Boden. Ich schlummere endlich wieder ein. Plötzlich tobt der Wecker erneut los. Ich springe auf, schnappe ihn mir und werfe ihn im hohen Bogen aus dem neunten Stock. Abdullah schaut entgeistert zu, funkelt mich furchtsam-böse an und stürzt zur Tür hinaus. Am nächsten Morgen ist Abdullah verschwunden. Er kommt nicht wieder, jedenfalls nicht, wenn ich im Zimmer bin. Manchmal treffe ich ihn noch im Flur, Abdullah scheint bei einem Landsmann Asyl gefunden zu haben. Ich kann wieder schlafen, nehme zu und bleibe guten Mutes.

Das “Sport-Leben” war auch die Grundlage für den Artikel der Zeit-Autorin Anna Kemper im “Zeitmagazin Mann”. Das mit Tuchel auf dem Titel. In meinem gebeamten Text vermisse ich eine andere Erinnerung an Abdullah: Nach dem Attentat in München 1972 glaubte ich auf den Fernsehbildern ihn unter den Attentätern zu entdecken. Vermutlich aber eine Fata Morgana. Eine Fatah Morgana.

Na ja, die heutigen Abdullahs sind leider nicht so leicht zu beeindrucken wie meiner von mir.

Für die Montagsthemen habe ich schon einige Stichworte auf dem Zettel. Jetzt kommen die Merseburger Zaubersprüche hinzu. Außerdem Kovac, Ullrichs 1,8 Promille, Rad-WM und neue EPO-Studie, Lewandowskis Kernaussage im Spiegel-Interview usw., aber alles bringe ich sowieso nicht unter, zumal ich mich jetzt weiter inspirieren lasse – von FAS, Samstags-SZ und KKKK. Bis dann.

Geschrieben von gw am 17. September 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt.

Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Verein A

Ihre Geschichte vom Verein A trifft die Lage der Vereinsgemeinschaft, von der Sie ja in Metaphern sprechen, ganz gut. Aber – immer nur aus meiner Sicht – nur „ganz“ gut, will sagen: nicht vollständig.

Es sind drei Punkte, über die zu reden sein würde, wenn Sie denn reden wollen überhaupt.

1, Sie erwähnen den Vorstand nicht in der Bedeutung, die er als Metapher hat. Er ist lediglich geschäftsführend, das oberste Organ ist die Vollversammlung. Und die müsste bei derartig radikalen Veränderungen nach Satzung sicherlich gefragt werden. Denn:

  1. Es sind ja nicht nur zahlenmäßige und materielle Veränderungen, die bei einer derartigen Eintrittswelle auf den Verein zukommen. Es werden sich, bedingt durch die doch sehr unterschiedliche Sozialisation der Neu-und Altmitglieder, heftige Verschiebungen des Vereinszwecks ergeben – oder könnten sich doch nahe liegender Weise ergeben. Wie sagte doch die Vereinsvorsitzende vor einiger Zeit: „Eine solche Eintrittswelle wird unseren Verein stärker verändern als alles, was er in seiner langen Geschichte erlebt hat“. Dazu würde nicht nur die erwähnte kleine Opposition jedes Recht haben, eine Vollversammlung zu verlangen.
  2. Einige weitsichtige und rational denkende Mitglieder halten dem Vorstand entgegen, dass die Zahl jener, die grundsätzlich dem Verein beitreten wollen oder könnten, aufgrund ihrer Motivlage, die Zahl der aktuellen Mitglieder um ein zehnfaches übersteigt. Ob denn der Verein oder sein Vorstand dafür ein nachvollziehbares Konzept hat? Diese kleine Gruppe speist ihre Kenntnisse aus den Erkenntnissen einiger Wissenschaftler und der eigenen, durchaus menschlich mitfühlenden. Beobachtung. Der Vorstand antwortet nicht. Dann aber fragt sich, was mit „für seine Zwecke nutzen“ gemeint ist, wenn der Autor der kleinen, guten Geschichte von der Opposition spracht, die das für ihre „Zwecke nutzen“ wolle. Im Übrigen hat diese Gruppe keineswegs Angst, man verbittet sich einfache Psychologisierung. Es sind handfeste vereinsrechtliche Gründe vorhanden für diese Einwände.

Auch meine Darstellung ist natürlich metaphorisch schief mindestens in einem Punkt: ein Verein hat zwischen der Vollversammlung, die im wirklichen Leben nicht vorgesehen ist, oder angeblich nicht möglich erscheint, und der Vereinsgeschäftsführung, dem Vorstand, kein weiteres repräsentatives Gremium mehr, das opportunistisch stets dem Willen der Geschäftsführung folgt. Ich möchte nun einmal den Verein sehen, der sich es gefallen lässt, wenn der Vorstand ständig eine Geschäftsführung ohne Auftrag und ohne satzungsgemäße Deckung betreibt. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)


      

Geschrieben von gw am 16. September 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, Mailbox.

Baumhausbeichte - Novelle