Wilfried Grein: Hambüchens Kater und Vichas Bein

Eigentlich wollte ich eine Zeitung nur noch höchstens 5 Jahre lesen, als ich im März 1987 die WZ abonniert habe. Sie waren dann Schuld, dass es doch mehr als 30 Jahre wurden. Nach dem Motto per aspera ad astra lese ich heute noch den Sportteil immer erst zum Schluss. Aber Ende des Monats ist es leider vorbei. Ich habe mal vorsichtig im Internet gelinst, was ich aus Respekt niemals tun wollte. Aber geht doch.

 

Das Niveau ist halt arg gesunken. Der Handball wird praktisch ignoriert. In einer mittelhessischen Zeitung kommen Oberliga und 3. Liga nicht mehr vor. Mal gespannt, wie es mit der 2. Liga wird, jetzt, wo Hüttenberg auch oben spielt. Dafür wird von mir als Sportfan verlangt, dass ich wissen muss, dass Hambüchen mit seiner Freundin einen neuen Kater hat. Einfach unterirdisch.

Zum Beitrag über Jiri Vicha: Ich kann mich heute noch an eine Scene im Fernsehen erinnern: 7-Meter. Vicha im Tor, wie immer mit kurzen Hosen. Der mir nicht mehr bekannte Schütze warf und Jicha riss  wie bei einem Hampelmann das rechte Bein waagrecht in die Höhe und wehrte den Ball ab. Auch wenn die Torhüter die Beine heute noch höher reißen (möchte bloß wissen wie?), ist dieses Bild bei mir in Erinnerung geblieben.

 

Jetzt hoffe ich, dass Sie noch viele Jahre den Anstoß, die Montagsthemen usw. schreiben und ich mich daran erfreuen darf. (Wilfried Grein)

Geschrieben von gw am 24. Juli 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, Mailbox.

Ohne weitere Worte (vom 25. Juli)

Erstens wurde mir klar, dass der männliche Fußball nur eine Erfindung, nur eine soziale Konstruktion von Wirklichkeit ist. (»Männer, schaut nicht so abschätzig auf Frauenfußball« von Alem Grabovac in der taz)
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Frauen spielen den schlechteren Fußball. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie. (…) Danach spielen die Herren viel schneller und machen weniger Fehler. (Spiegel)
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Zweitens übten die angriffslustigen und selbstbewusst auftretenden Fußballerinnen eine gewisse erotische Anziehungskraft auf mich aus. (Grabovac/taz)
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Das größere Problem bei der Auseinandersetzung mit Frauenfußball resultiert aus einem Wunsch, den die Sportlerinnen selbst vielfach äußern: Vergleicht uns nicht ständig mit den Männern! (Cathrin Gilbert in der Zeit)
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Drittens ließ ich (…) im Umkehrschluss »weibliche Werte« wie Sanftmut und Zärtlichkeit bei mir zu und hatte dadurch viel besseren Sex. (Grabovac/taz)
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In anderen Sportarten sind geschlechtsspezifische Unterscheidungen normal. So ist beim Golfen der Abstand zwischen dem Abschlag und dem Green bei den Frauen (…) geringer. In der Leichtathletik stoßen Frauen mit einer gut drei Kilogramm leichteren Kugel. (…) Würde man diese Anpassung auch im Fußball vollziehen, dann müssten die Tore bei den Frauen kleiner sein – aber jeder, der das ernsthaft fordern würde, geriete schnell unter Diskriminierungsverdacht. (Gilbert/Zeit)
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Kurzum: Die Entdeckung des Frauenfußballs hatte mein vorheriges, rein Vagina- und schwanzzentriertes Sexualleben erheblich bereichert. (Grabovac/taz)
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Uli Hoeneß, 65 und gefühlter Inhaber des FC Bayern München, macht – nach prägenden juristischen Erfahrungen – einfach weiter. Man hätte ihm einen ruhigen Lebensabend mit guter Führung am Tegernsee gegönnt, stattdessen diskutiert er mit Karl-Heinz Rummenigge die Talente portugiesischer Nachwuchskicker. (Werner Bartens in der Süddeutschen Zeitung über »das Verharren der Patriarchen«. Überschrift: »Hör doch mal auf, Alter!«)
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»Also fuhr ich (…) mit dem Motorrad nach Leipzig, um die Atmosphäre der Stadt einzuatmen. (…) Ich ging mit meinen Motorradklamotten in Cafés und auch zu anderen Plätzen. Keiner erkannte mich, ich sah aus wie ein Easy Rider. Die Menschen dort waren total nett und offen. (…) Da stand für mich fest: Ich ziehe das jetzt durch.« (Red-Bull-Eigner Dietrich Mateschitz, 73, im Sport-Bild-Interview)
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Laut Bunte wird nun geprüft, ob sie (Anm.: Lilly Becker) eine eigene Firma gründen und Boris Becker anstellen kann. »Wirtschaftlich sinnvoll – aber trotzdem wohl eine schwer zu ertragende Situation.« Ganz bestimmt.Und was sie da gerade vornehm hüsteln hören, das sind Tausende von Frauen, die in den Unternehmen ihrer Ehemänner mitarbeiten. (Julia Bähr in den »Herzblatt-Geschichten der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Becker ist heute wie ein Kreisligaspieler, der sich in Wimbledon verirrt hat. (Marc Hujer im Spiegel)
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So spricht Waldemar Birkle heute gleichsam mit einem hörbar badischen und einem hörbar russischen Akzent. Was in den Momenten, wenn die Phonetik überlappt, so klingt, als würde sich einer der Klitschko-Brüder an einer Imitation von René Weller versuchen. (Lucas Vogelsang in der Welt über einen Spätaussiedler, der in Pforzheim für die AFD für den Bundestag kandidiert)
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Sie sind die dunkle Seite einer Gesellschaft, die hedonistische Selbstverwirklichung als leere Hülle zum Ideal erhoben hat. Ihre Vorstellung vom Kampf als intensivem Leben, vom Körper als Waffe ist ein Topos, der – systemkonform gewendet – auch die Red-Bull-Welt der Big-Wave-Surfer und Extremkletterer prägt: If life gets boring, risk it. Jede Gesellschaft hat die Extremisten, die sie verdient. (Gunther Latsch im Spiegel über die Krawalle von Hamburg)
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 24. Juli 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß.

Dr. Sylvia Börgens: Alles richtig gemacht

Sie haben – soweit ich das beurteilen kann – alles richtig gemacht. Es lag keine körperliche Notsituation vor. Sie haben der Frau in ihrer Seelennot Ihre Hilfe angeboten, und sie hat sie klar und unmissverständlich zurückgewiesen. Aus ihrem Dank können Sie ersehen, dass es sie ein klein wenig getröstet hat, wahrgenommen worden zu sein. Ich habe solche Situationen als Leidende und als Hilfe Anbietende erlebt, und die Frage “Kann ich Ihnen helfen?” stellt immerhin eine mitmenschliche Verbindung her.
Wir können nicht immer helfen. Ich kondolierte mal einem Mann, der innerhalb eines Jahres den Sohn durch Mord und die Frau durch Krankheit verloren hatte. Er bedankte sich und sagte: “Mein ganzes Leben hatte ich gut im Griff. Plötzlich bin ich zum Verlierer geworden.” Ich blieb stumm, drückte ihm noch mal die Hand und ging. Was hätte ich ihm Tröstliches sagen können? Manchmal ist Schweigen die einzige angemessene Reaktion. (Dr. Sylvia Börgens, Dipl.-Psych./Wölfersheim)

Geschrieben von gw am 23. Juli 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, Mailbox.

Paul-Ulrich Lenz: Unter dem Radar …

Unter dem Radar der Öffentlichkeit: Beim Transalp ist für die Bierdeckel-Brothers aus Wettenberg, Andi Schmidt und Nelu Lenz, nach 544 km ein 92. Platz herausgesprungen – oder besser gesagt: herausgefahren. Ein starke Leistung bei 125 Teams in der Klasse der Masters. Insgesamt haben sie an die 100 Teams hinter sich zurück gelassen! (Paul-Ulrich Lenz, Pfr.i.R./Schotten)

Geschrieben von gw am 23. Juli 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, Mailbox.

Montagsthemen (vom 24. Juli)

Den in Froome personifizierten Erfolg von Sky mag preisen, wer will. Das Gerüchle bleibt. Kittels fünf Sprintsiege – prima. Aber mein stärkster Eindruck: Emmanuel Buchmann. Fünfzehnter in der Gesamtwertung und drittbester Jungprofi, das ist aller Ehren wert. Aber er fuhr die gesamte Tour de France unter dem Aufmerksamkeits-Radar. So funktioniert der Event-Mechanismus des Sports.
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Am Rande gelesen: Nettes Angebot, exklusiv für FAZ-Leser, ein Faltrad zum Schnäppchen-Preis. 2900 Euro. Ein Faltrad! Meist das Zweit- oder Drittrad. Für 2900 Euro. Ein Schnäppchen! Dahinter steckt wohl oft ein kluger Kopf, aber nie ein armer Tropf. Materiell gesehen.
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Ebenfalls in der Zeitung gelesen … huch, sogar in unserer! … eine Eloge, vulgo Loblied, auf Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann. Seine Erfolge haben ihm, schreibt dpa, »Elegien und Auszeichnungen eingebracht«. Man könnte Klagelieder singen. Kompromissvorschlag: Egal ob Elo- oder Elegie, schreibt einfach Elogie..
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So viel Besserwisserei ahndet mein strafendes Über-Ich für gewöhnlich mit einem dicken Eigen-Klopps. Aber wenn schon Besserwisserei, dann noch eine. Vor einigen Wochen gab es künstliche Aufregung, als die Öffentlich-Rechtlichen ihre Olympia-Rechte verloren. Jetzt wird ebenso künstlich abgeregt, denn es gibt »Olympia-Hoffnung für ARD/ZDF«, es laufen »konkrete Gespräche über Sublenzierung« (FAZ). Ach was!? Und was stand vor vier Wochen in einer »gw«-Kolumne? »Wartet nur ein Weilchen, dann gibt es kleine Sublizenzen.« – Ha! Ich hab’s ja geahnt! Sie werden es nicht glauben, aber die »Sublenzierung« (statt Sublizenzierung) habe ich wirklich nicht absichtlich geschreibfehlert! Ist mir eben erst beim Rückscrollen aufgefallen.
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»Die Entdeckung des Frauenfußballs hatte mein vorheriges, rein Vagina- und schwanzzentriertes Sexualleben erheblich bereichert.« Die drei Gründe, die für einen Autoren der taz zu diesem Fazit führen, erfahren Sie morgen in »Ohne weitere Worte«. Aber nicht, warum Vagina- groß und schwanzzentriert klein geschrieben wird. Der kleine Unterschied?
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Kleiner Test im weiblichen Bekanntenkreis. »Ich interessiere mich nicht für die Tour de France der Frauen.« Achselzuckende Reaktion: »Na und?« – Fortsetzung, etwas später: »Ich interessiere mich nicht für Frauenfußball.« Empörte Reaktion von Frauen, die sich ebenfalls nicht dafür interessieren: »Chauvi! Ignorant!«
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Aber ich interessiere mich ja für Frauenfußball. Mittlerweile. Sie klagen nicht, sie jammern nicht, sie schauspielern nicht. Und, auch ganz wichtig: Sie rotzen nicht. Wunderbar! Dass sie nie das Niveau von Männern erreichen werden – geschenkt. Spielt im Tennis, in der Leichtathletik, dem Schwimmen ja auch keine Rolle. Schlimm wäre nur, wenn sie es erreichten.
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Apropos Schwimmen. Die WM beginnt, und kaum ein Deutscher macht mit. Wegen intern erhöhter Normen. Weil, um den Fisch bei seinem Kopf zu nennen, der Innenminister es will. Da nur noch Medaillen zählen, hat deren oberster Fetischist verfügt, für mehr Edelmetall und weniger Blech zu sorgen, sonst gäbe es kein Geld mehr. Die Verbände kuschten und setzten die internen Normen so hoch an, dass es … stinkt. Denn es riecht wieder nach dem doppelten deutschen VV: Verlangen und verbieten.
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Immer dieser Ärger. Da freue ich mich lieber auf die Leichtathletik-WM. Mit »unseren« hessischen Sprinterinnen, mit den  Speerwerfern, mit Usain Bolts Abschied, mit Nachfolgern wie Wayde van Niekerk (sensationelles Triple: 9,94, 19,84, 43,03), mit Diskuswerfern wie Stahl und Sandra Perkovic (beide zuletzt über 71 m) … da fällt mir ein: Haben Sie die Kroatin schon mal gesehen? Hat die gleiche Muskelstruktur wie ihre Landsfrau Sara Kolak, die zu den Speer-Favoritinnen zählt. Eine Muskelstruktur, die man bei Frauen sehr selten sieht. Ein Schelm, der …. schreibt so einer auch für Leichtathletik.de? Wenn man bei der »Perkovic eine Schwäche ausmachen möchte, ist es vielleicht die, dass sie oft mit ungültigen Versuchen zu kämpfen hat. Mit dosiertem Stoff werfen, fällt ihr offensichtlich schwer.« – »Dosierter Stoff.« Schön gesagt, ob mit oder ohne Absicht.
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Anderes Thema. Nicht die Ware, sondern der wahre Sport fiel mir ein, als ich die Nachrufe auf Bernhard Kempa las. Kempa spielte und trainierte bei Frisch Auf Göppingen, und dieser Klub war für mich gleichbedeutend für Hallenhandball, den damals noch kleinen Bruder des Feldhandballs. Spiele der Göppinger gegen Dukla Prag mit dem phänomenalen Torhüter Jiri Vicha gehörten zu meinen ersten Fernseh-Eindrücken. Danach musste ich unbedingt nach draußen rennen, den Ball gegen die Wand werfen und nach ihm hechten wie Vicha, oder den Kempa-Trick versuchen, was mit mir allein, als Passgeber und Werfer, nicht ganz einfach war.
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Jetzt hatte ich mehr Erfolg. Kürzlich las ich, dass Thomas Röhler, der WM-Mitfavorit im Speerwerfen, ein Streichholz 32 Meter weit werfen kann. Gut, aber nicht gut genug, um den Weltrekord von Uwe Hohn zu brechen. Der warf nicht nur den Speer (104,80 m) und die DDR-F1-Handgranate (100,02) über 100 Meter weit, sondern auch ein Streichholz auf ebenfalls unerreichte 44 Meter. Phänomenal. Versuchen Sie es mal! Ich habe es getan und den Weltrekord gebrochen. Den im Weitsprung.  (gw)
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(www.anstoss-gw.de gw@anstoss-gw.de)

Geschrieben von gw am 23. Juli 2017. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt, gw-Beiträge Anstoß.

Baumhausbeichte - Novelle