Montag, 19. November, 9.30 Uhr

„Ohne weitere Worte“ sind online gestellt mit, wie ich meine, schönen Fundstücken, von denen einige auch hübsch zusammengemixt werden konnten.

Zwei sehr schöne Mails in der Box. Dr. Sylvia Börgens zum Psychopathie-Test (Sport-Stammtisch), Werner Haaser zu Micky Maus‘ 90. Geburtstag. Beide auch schon für die nächste Kolumne notiert. Die Fachfrau Dr. Börgens hat natürlich recht, ich als Laie hatte die Fragwürdigkeit des Test ebenfalls betont – dadurch, dass ich vermute, auch Trump würde sich Bestnoten geben. Werner Haasers befürchteten Ärger mit meiner liebsten Zielgruppe fürchte ich nicht, Minnie ist zwar nicht so schlimm wie Daisy (diese Zicke aus Entenhausen), aber, wenn ich mich recht erinnere, mir zu damenhaft und etepetete.

Was ich nie verstanden habe, waren unter den Nebenstorys in der Micky Maus die vom „kleinen bösen Wolf“. Der kleine ist lieb, sein Vater böse. Warum der „kleine, böse Wolf“? Oder habe ich das als Kind falsch verstanden? Sah die Titelzeile anders aus? Ich müsste mich mal umdrehen und im oberen Regal  die einen Meter lange Sammlung von Heftchen und Sammelbänden nach Wolf-Storys absuchen. Aber die waren ja sehr selten. Mach ich vielleicht später mal. Falls kein Leser aufklärt.

Von einem Leser höre ich auch, dass „plastic spoon in my mouth“  (siehe Montagsthemen) für eine versuchte und schief   gelaufene Abtreibung stehen  könne, das habe ihm jedenfalls mal ein englischer Gitarrist erzählt, der mit
den Who befreundet war. Wenn ich mich richtig erinnere, könnte das zum Liedtext passen. Zwar steht der plastic spoon im mouth, wie ich googele, sinnbildlich für das Gegenteil vom silver spoon, er könnte aber auch im übertragenen Sinn das Überbleibsel des Schiefgelaufenen sein, wenn man viel makabre Phantasie hat.

Am Samstag erscheint das neue Gießener Seniorenjournal. „Mein progressiver Alttag“ ist schon geschrieben, ich stelle ihn aber erst am Freitag online. Hat wieder Spaß gemacht.

Geschrieben von gw am 19. November 2018. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt.

Sonntag, 18. November, 6.45 Uhr

Unter den Meldungen der Nacht diesmal keine von dpa. Deren aktuellste Meldung kam gestern um kurz nach zwei am Nachmittag, seitdem herrscht buchstäblich Funkstille. Was mich in Redaktionszeiten hektisch umtrieben hätte, geht mir jetzt am Dingens vorbei. Damals hatte ich schon ab Samstag und jetzt, so ab sieben, eifrig an der Seite mit den Ergebnissen und den Kurzmeldungen gearbeitet, in die ich insgesamt mehr Zeit investierte als in eine Kolumne. Heute spielt das keine Rolle mehr, weil umfassende, verlässliche Nachrichten-Information nicht mehr als Muss gilt. Begründung: „Das steht doch sowieso alles im Internet.“ Was eine Bankrott-Erklärung ist, eine Kapitulation und zudem falsch … und auch eine Faulheits-Erklärung. Aber juckt es mich? Ganz sicher nicht.

Bild füllt mit Malle-Jens und SPD-Schulz die Lücke. Der eine ist tot, der andere holt Modeste zurück nach Köln. Schlagzeilt es jedenfalls. Ich weiß weder, wer Malle-Jens ist, noch was Schulz wirklich mit dem Wechsel zu tun hat. Denn Bild lässt bei einigen Meldungen die Bezahlschranke runter. Verlangt zwar nur Pfennigbeträge, aber da mache ich prinzipiell nicht mit. Obwohl die Bezahlschranke natürlich die einzige Chance ist, die der Zeitungs-Journalismus noch hat, nachdem die Verlage vor Jahren mit Lust und Laune und viel Geld im Internet Freibier verteilt haben, zum großen Teil immer noch, und damit am eigenen Ast, an dem Internet & Co. sägen, fleißig mitgesägt haben. Mein altes Lied. Kaum jemand sang mit.

Keine Bezahlschranke, wenn Bild fragt: „Bin ich ein Umweltsünder, wenn ich Ski fahre?“ Ich klicke auch den Umsonst-Text nicht an, mangels Interesse. Natürlich bin ich als Skifahrer auch Umweltsünder. Aber auch als Nicht-Skifahrer. Wir sind alle kleine Sünderlein, war immer so, bleibt immer so. Bis zum bitteren Ende.

Am Samstag Riesen-Interview mit Armin Hary in der Welt. Jammerklage von ihm, dass er seinen Nachlass in die USA verkaufen musste, weil ihn in Deutschland niemand haben wollte. Er könne aber von dem Vertrag zurücktreten, wenn ein deutsches Angebot käme. Es geht um Spikes, Medaillen und sonstige Erinnerungsstücke. Ganz harter Stoff: „Ich fühle mich hundeelend, wenn ich daran denke, was mit meinen sportlichen Schätzen passieren wird. Nächtelang liege ich wach und grüble vor mich hin.(…)  Das Ganze regt mich maßlos auf. (…) Dabei könnte der unterschriebene Vertrag noch aufgehoben werden. Ich habe mir ausbedungen, wenn doch noch ein Deutscher mein sportliches Erbe kaufen möchte, ist die Abmachung null und nichtig. (…) Zu verschenken habe ich allerdings auch nichts.“

Warum nur stimmt mich das ebenfalls hundeelend? Ganz sicher nicht wegen des Nachlasses.

Kommt natürlich in die Montagsthemen. Mit einigen anderen Hary-Erinnungsstücken. Stichwort: Razzia bei Papa Ratzi.

Sekundenlang über die vom Korrekturprogramm rot unterstrichelten Erinnerungsstücke gegrübelt. Erst beim dritten oder vierten Lesen entdeckte ich das fehlende „er“. Passiert mir öfter. Öfter, als mir lieb ist, entdecke ich es gar nicht, vor allem, wenn mich das Korrekturprogramm nicht darauf hinweist, weil das fehlerhaft geschriebene Wort einem anderen gleicht, das dann zwar korrekt geschrieben, aber sinnlos ist. Zum Beispiel unterläuft mir häufig statt der Niederlage eine Niederklage. Das Korrekturprogramm reagiert nicht. Vielleicht, weil in ihm auch schon viel künstliche Intelligenz steckt, denn bei allen Niederlagen gibt es Niederlagenklagen.

Niederklagen drohen auch den DDR-Dopingopfern. Durch die Allianz der Anti-Doping-Kämpfer zieht sich ein tiefer Riss. Wann ist ein Opfer ein Opfer? Und wann will da einer nur 10 000 Euro abgreifen? Muss ich in den Montagsthemen vertieft erklären. Also nicht im Blog-Flow ohne Verfertigung der Gedanken beim Schreiben allzu sehr zu versimpeln. Nee, ein Satz fällt mir ein, der in der Kolumne stehenbleiben könnte: Opfer ist, wer gegen seinen Willen oder ohne sein Wissen medikamentös manipuliert worden ist (nicht „gedopt worden ist“, denn Doping ist nur ein Wort und ein weites Feld). Zusatz: Bei Minderjährigen spielen Willen und Wissen keine Rolle, sie sind in jedem Fall Opfer. Aber die Täter, die bleiben anonym bzw. „die DDR“ und „das System“.

Schon halb acht? Pause. KKKK.

 

 

Geschrieben von gw am 18. November 2018. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt.

Sonntag, 11. November, 6.30 Uhr


Daniela Katzenberger isst Sonntags Fastfood. Heißeste Meldung der Nacht bei dpa. Wie schön, dass nichts Schlimmeres passiert ist in der Welt. Dagegen klingt die Top-Schlagzeile von Bild fast betulich: Regierung fördert Computer-Games mit 50 Millionen Euro. Und der FAS-Aufmacher heute früh gaukelt sogar Aktualität nur vor: Um Seehofer wird es einsam. Wird? Ist es das nicht schon immer? Ist das nicht sein Lebens-Problem? Nur steigt jetzt wohl nicht mal mehr ein Spiegel-Redakteur zum Eisenbahn-Spielen in Horstis Keller.

Obwohl alte Knaben wie Horst und ich wissen, dass wir nur arme kleine  Schweinchen sind, nie älter geworden als dreizehn  oder vierzehn und verloren und hilflos in der Ecke unserer kleinen Welt herumstehend, ziehen wir unser Rollenspiel als Erwachsene durch. Muss ja.

Im Sonntagmorgen-Flow huscht der Gedanke noch einmal durch den Kopf, fast so schnell wie bei einem gesunden Mats Hummels („Ich lebe davon, dass ich schnell denke“), dass ich das Thema für meinen „progressiven Alttag“ im nächsten Seniorenjournal gefunden haben könnte. Er, der Gedanke, ist schon vor einer halben Stunde matseflink aufgeblitzt, als ich beim Zähneputzen in den Spiegel schaute … WAS IST DAS??!! Diese Ohren! Ist mir ja noch nie aufgefallen, wie elefantengroß sie vom Kopf abstehen. Da schrumpfe ich von Monat zu Monat, schon lange sagt kein Mensch mehr „Langer“ zu mir (ich wette übrigens, dass auch der vergleichsweise junge Hüpfer Dirk Nowitzki  keine 2,13 m mehr misst), aber die Ohren, sie wachsen und gedeihen. Auch hängen sie nicht schlaff und faltig hinunter, wie Halsfalten und Tränensäcke (Bauchschürzen erwähne ich erst gar nicht, schon das bildhafte Fachwort gruselt), sondern stehen stolz und kräftig vom Kopf ab, elastisch, straff und biegsam, ganz anders als … ach, lassen wir das … und dieses groteske Missverhältnis zum Rest-Körper wird optisch noch verstärkt durch den Schwund der Haare, deren karge Reste schütter am Kopf kleben. Früher hat man und vor allem Frau beziehungsweise Mädchen meine kleinen, süßen Öhrchen nicht mal gesehen, da vollkommen überwuchert von drahtdicken Haaren meiner Beatles-Mähne, aber heute sind die beiden absurden Riesendinger schutzlos den Blicken preisgegeben. Und wenn mich jemand auffordert: Halte die Ohren steif!, kann ich nur entgegnen: Nichts leichter als das!

Der geneigte Leser merkt, im Flow habe ich schon den Glossen-Gang eingeschaltet und lustvoll an der Alttags-Kolumne geschrieben. Im Ernst, im Ernst des alten Lebens ist es natürlich nicht so schlimm. Nicht ganz so schlimm. Eigentlich sogar ganz gut. Super, sagen sogar manche, bzw. frauche, bzw. meine. Und, jetzt ganz im Ernst: Es interessiert mich nicht mehr. Wie sehr haben wir Jungs (ihr Mädchen natürlich auch, weiß ich doch) an kleinen echten und vor allem großen eingebildeten körperlichen Makeln  gelitten – spielt heute alles keine Rolle mehr. Selbst dass ich, nach drei, vier Wochen Training und Diät, bei den California Dream Grandfathers mitmachen könnte, rutscht mir den Buckel runter.

Schluss damit, der Flow driftet ja immer schlimmer ins Alberne ab. Was steht auf dem Zettel für die Montagsthemen? Zum Beispiel Schnelldenker Hummels, der, wenn er genauso schnell laufen könnte, immer noch der Weltbeste auf seiner Position wäre. War seine freiwillige Auswechslung (ach, der Schnupfen, dieser unselige Schnupfen!) auch Ergebnis eines blitzschnellen Denkens, um das peinliche Laufduell mit Sancho zu entpeinlichen? Natürlich muss ich auch ein, zwei Sätze zum nun wirklich einmal großartigen Duell schreiben, aus dem auch der FCB (und Kovac) neue Hoffnung schöpfen könnten, ebenfalls ein Wort zu Gladbach (alle reden nur von den sieben Punkten zwischen BVB und Bayern, dazwischen lauert aber die andere Borussia). Außerdem: Sky-Werbepanne / Boateng, sein Magazin und der Rassismus / Sterling und die Schwalbe / Bernat und der Gentleman (bzw., wie heißt das? Gentilhombre?) / zum Schluss vielleicht die Popo-Werbung im Volleyball. Aber jetzt, früher Höhepunkt des Sonntags: KKKK.

Geschrieben von gw am 11. November 2018. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt.

Sonntag, 4. November, 6.30 Uhr

Unter den während der Nacht verbreiteten dpa-Texten fällt mir eine Überschrift auf: CDU grübelt über Kandidatenkür, SPD über Existenzfragen. Perfekt komprimiert. Da könnte man sich fast den folgenden Text sparen.

Erinnert sich ein älterer Leser an die rororo-Reihen? Rowohlts Rotations … jetzt habe ich das dritte ro vergessen. Egal, ich schlag’s nicht nach, bzw. später. Jetzt habe ich ein altes Taschenbuch aus der rororo-Reihe der Monographien zum Wiederlesen auf dem Lesestapel. Erich Kästner. Habe schon mal kurz reingeblickt und bin darauf gestoßen:

 

Ihr wollt die Uhrenzeiger rückwärts drehen

und glaubt, das ändere der Zeiten Lauf.

Dreht an der Uhr! Die Zeit hält keiner auf!

nur eure Uhr wird nicht mehr richtig gehen.

Wie ihr’s euch träumt, wird Deutschland nicht erwachen.

Denn ihr seid dumm und seid nicht auserwählt:

Mit diesen Leuten ist kein Staat zu machen!

Geschrieben 1933. Aktuelles Problem: Mit den anderen Leuten auch nicht.

Noch so ein, aber ganz anderes Lese-Aha. Ganzseitiges Interview in der Welt mit Benedikt Höwedes, der in Moskau kickt. Recht interessant, aber nicht umwerfend. Vor allem nichts drin, was ich für „Ohne weitere Worte“ komprimieren  könnte. Rausgerissene Seite umgedreht. Wieder ein ganzseitiges Interview. Mit einem Urologen. Über Männer und ihre Angst. Überschrift: Die Vorsorge-Phobiker. Ja, die kenne ich Und nun zu einem heiklen Thema. Zu echten Bekenntnissen privater Natur. Die vermeide ich in meinen Texten, so gut es geht, obwohl sie manchmal sehr persönlich, ja intim zu sein scheinen (sind sie aber in der Regel nicht, denken Sie daran, dass Axel Hacke mit seinem Kühlschrank zu sprechen scheint und der sogar sein alter Freund ist und antwortet bzw. antwortete, Bosch spricht ja nicht mehr, Hacke hat die Stimmlage geändert). Es ist also selten bis nie die 1:1-Wahrheit, die in scheinbar 1:1 persönlichen Glossentexten erkennbar ist. Jetzt eine Ausnahme, weil sie für den einen und anderen Leser, vor allem männlichen, lebens-, überlebens- und lebensqualitätswichtig sein könnte. Also: Der interviewte Urologe, Frank Sommer aus Hamburg, sagt: „Und gerade Darmkrebs ist so gut heilbar! Wenn da ein kleiner Polyp ist, zwickt es bei der Behandlung kurz. Es ist wirklich ein simpler Eingriff und man verhindert, dass ein Tumor ausbricht. Das ist eine ganz coole Behandlung.“ Also sollte man zur Vorsorge gehen, zur Darmspiegelung. Ich habe in früheren Jahrzehnten, mancher Leser weiß es, einen sehr extremen Sport betrieben, für den ich mich über zehn Jahre lang gemästet habe wie ein Sumo-Ringer. Seitdem, zumal als notorisch eingebildeter Kranker (das zugehörige Fremdwort fällt mir im Moment nicht ein … beginnende Demenz? Alzheimer? So bin ich, so sind wir … mir fällt es immer noch nicht ein! Je mehr ich danach suche, desto weniger), machte ich mir schwere, schwere Sorgen. Insgeheim „wusste“ ich, dass ich Darmkrebs habe, wollte es aber nicht wissen. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß. Jahrzehntelang begleitete mich die eigene Diagnose, durchaus lebensqualitätsmindernd. Genauso lange hatte mich meine Frau (Sie wissen schon: KKKK) bekniet, endlich eine Darmspiegelung machen zu lassen. Als ich dann endlich, endlich aufgab und ergeben zum Schafott ging, war nur die darmreinigende Trinkkur am Tag zuvor etwas unangenehm, die Prozedur selbst aber für mich als Patient ein Klacks, ein paar Minuten nach dem Aufwachen saß ich beim behandelnden Arzt (mein Name ist der Genitiv von seinem), er zeigte mir die Aufnahmen, alles sauber und so, wie es sein sollte. Ich konnte es kaum glauben. Seitdem ist diese dunkle Wolke verschwunden. Und ich bekenne dies alles nur, um vielleicht einem Leser, womöglich sogar einigen Lesern dieses überschaubar verbreiteten Blogs (wir sind hier ziemlich unter uns) zu helfen, ebenfalls dunkle Wolken zu vertreiben.

Und damit wieder zur gewohnten Stilebene. In dem Interview habe ich mir einen Satz agestrichen: „Das Problem beim Penis ist, dass er für die Performance steht.“ Im albernen Sinn gelesen ein hübsches Ding für „Ohne weitere Worte“. Oder doch zu albern?

So, schön im Schreibflow gewesen, im sonntagmorgendlichen, aber nichts für die „Montagsthemen“ dabei, glaube ich. Muss nachher noch mal nachlesen. Bisher auf dem Themenzettel angerissener Ablauf der Kolumne: Bayern / Schadenfreude / redlich, unredlich verdient / Frau Müller, Kabine, Maulwurf / Eintracht (Zitat O.A.B. / Leser-Zitat zu den autonom geschützten Reserven der Fußballer / FC Gießen, Waldstadion, FR, Uni-Stadion, Inline-Außenbahn, verbarrikadierte Tribüne/ Eicheln, Bucheckern, Wildschweine, Möhren, Mohrrübe.

Viel, zu viel. Den FC Gießen will ich aber unterbringen. Ich schreibe es hier im Blog schon mal ins Unreine, vielleicht sogar schon ins Reine, mal sehen, was der Flow so her gibt. Nein, erst mal eine Vorbemerkung nur im Blog: Die „Anstoß“-Kolumnen erscheinen in allen Zeitungen unseres Verlags, natürlich auch in den beiden Flaggschiffen „Gießener Allgemeine“ und „Wetterauer Zeitung“. Beide legen auf ihren regionalen Seiten naturgemäß Wert auf unterschiedliche Gewichtungen. Zum Beispiel WZ auf Eishockey, GAZ auf Basketball. Oder eben auf den FC Gießen, der in der WZ eine sehr viel kleinere Rolle spielt. Im „Anstoß“ muss ich, müssen wir versuchen, den Text für alle Leser gleichermaßen verständlich zu machen, wenn ein für die eine Zeitung wichtiges, für die andere aber nur Rand-Thema zur Sprache kommt, das in deren Sportteil kaum vorkommt. Wie der FC Gießen. So, und jetzt das Unreine:

(In Alzenau 2:1 gewonnen; ich dabei; viele Gießener dabei). Der Fußball in Gießen boomt. In Alzenau war das Fernsehen dabei, Radio, und Frankfurter Kollegen haben sogar schon in Gießen nachgeschaut, was hier abgeht rund um das Waldstadion. Stichwort Waldstadion: „Wer das Waldstadion in Gießen betrachtet, der ahnt, dass noch viel Arbeit vor dem heimischen Fußballklub liegt. 1925 eröffnet, in den 50er-Jahren ausgebaut, aber seitdem ist wenig passiert. (…) Ansonsten viel Unkraut, das aus den Steintreppen sprießt“, lese ich am Samstag in der FR. Und bin zunächst mal empört, dass „mein“ Waldstadion so schlecht gemacht wird, in dem ich … na ja, in den 50er-Jahren erste Schüler-Wettkämpfe gemacht habe, und wo ich fast alles noch genauso sehe wie heute … Also kein Grund zur nostalgischen Empörung. Clou an der Sache aber: Wäre der FR-Kollege ein paar, wirklich nur ein paar Schritte, kaum 50 Meter, weiter gegangen, hätte er in einem sensationell modernen, supertollen Stadion gestanden. Eine Augenweide vor allem für Leichtathletik-Freunde, denn die Anlage ist vom Allerfeinsten, notfalls könnten hier internationale Meetings stattfinden. Aber auch die Fußballer hätten hier ein phantastisches Heim-Stadion. Wenn nicht rings um die Laufbahn eine weitere Außenbahn verlaufen würde, eine asphaltierte für Inliner, und wenn nicht die alte Tribüne zwar noch vorhanden, aber nicht ebenfalls auf moderne Standards gebracht worden wäre, sondern komplett mit großen Wackersteinen verbarrikadiert wurde (Zutritt verboten!), damit ja keiner auf die Idee kommt, diesem Superstadion …

Breaking News für mich. Hypochonder! Hypochonder. Jetzt hab ich’s wieder. Danke, alter Kopf.

… den Daseinszweck zu geben, den es verdient hätte. Denn die gesamte Anlage dient nur der Sportstudenten-Ausbildung, und die Uni hat allen Ansinnen un-universitärer Kreise, das Stadion eventuell nutzen zu können, bewusst und rigoros einen Riegel vorgeschoben. Wie mit der absichtlich unbrauchbar gemachten Tribüne. Das Stadion muss ein paar Fantastillionen gekostet haben. Alles nur für Sportstudenten, deren im Schnitt beklagenswerte sportliche Fähigkeiten ich nur zu gut kenne, aus eigenen Sportstudiumszeiten. Und da steht dann eine perfekte, ultramodernere, kostspielige Hammerwurfanlage auf dem Platz, und ich stelle mir vor, wie dort der gemeine Sportstudent herumtaumelt … aber was an einen Schildbürgerstreich erinnert, ist keiner, sondern … ja, was sonst? Mir kommt es vor wie elitäre akademische Arroganz.

Huch, wie die Zeit vergeht. Schluss jetzt. Beziehungsweise Pause. Da kommt sie schon. KKKK!

 

Geschrieben von gw am 4. November 2018. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt.

Mittwoch, 31. Oktober, 9.30 Uhr

Die neue Zeit ist schon da. Wie immer lese ich zuerst die letzte Seite. Inhaltsangabe. Direkt neben- bzw. untereinander:

Unterwegs im großen Treck. Die Karawane der Migranten, die seit Wochen durch Mittelamerika in Richtung USA zieht. Die Migranten, heißt es, sind dankbar, dass jemand einen Ozean überquert, um von ihrem Schicksal zu berichten.

Wo die Klorollen fliegen. Wie schlimm sind die Zustände an den Schulen wirklich? Keiner weiß das besser als die Hausmeister. Wir haben fünf von ihnen zum Gespräch gebeten. Für das zweistündige Gespräch hat die Zeit fünf Hausmeister aus ganz Deutschland eingeladen.

Was ich daran als zwiespältig empfinde? Noch ein Stück. Aus der FAS. Eine Autorin, eine sehr gute, ist auf der hessischen Spur sechs (oder sieben, oder fünf? Egal.) Tage lang jeden Morgen aufgebrochen und in den Ort gefahren, wo Heinz Schenk begraben liegt, immer mit Apfelwein im Gepäck. Ist eine sehr schöne Geschichte geworden … aber …

Auch das Hausmeister-Interview ist sehr interessant zu lesen. Die Reportage über die mittelamerikanischen Migranten sicher auch (kam noch nicht dazu). Was also ist der Zwiespalt?

Ich kann es nicht exakt benennen. Stichworte: Fünf Hausmeister fahren für ein Presse-Gespräch durch halb bis ganz Deutschland. Eine Zeit-Autorin fliegt nach Mittelamerika, um dort Migranten zu beobachten und zu befragen. Eine FAS-Autorin fährt für einen Text eine Woche lang täglich zum Grab von Heinz Schenk.

Ich versuche erst gar nicht, mein rumorendes Unbehagen zu definieren. Ich spüre, dass ich mich nicht verständlich ausdrücken kann. Ich lasse es also. Nur dass es rumort, das lasse ich raus.

 

Geschrieben von gw am 31. Oktober 2018. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt.

Baumhausbeichte - Novelle