Ohne weitere Worte

Bierhoff unterliegt einer grandiosen Fehleinschätzung seiner Person, aber vor allen Dingen seiner Bedeutung für die Nationalmannschaft. (…) Bierhoff (…) hat die Gruppe als Vehikel und Druckmittel für seine nicht akzeptablen und absurden Eigeninteressen benutzt. (Günter Netzer in seiner Bild-am-Sonntag-Kolumne)

Lange galt Löw als beliebtester Deutscher hinter Günter Jauch und Horst Schlämmer. Nun hat er plötzlich den »Raffke«-Stempel auf der Stirn. (Süddeutsche Zeitung)

»Ich habe mehr deutsche Kultur und Mentalität in mir als türkische. (…) Und ich bin froh darüber. Ich bin dankbar, dass ich so bin wie ich bin. Dazu hat die deutsche Gesellschaft sehr viel beigetragen. (…) Ich bin hier geboren, ich lebe hier, ich verdiene hier mein Geld, ich nehme hier am gesellschaftlichen Leben teil. Die Türkei ist für mich weit weg.« (Frankfurts – türkischer – Nationalspieler Halil Altintop im FR-Interview)

Geschrieben von gw am 8. Februar 2010. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Montagsthemen

Der in der Samstag-Kolumne vorgestellte Olf, das – wirklich offizielle! – Wort für die Einheit der Geruchsstärke, riecht schon jetzt nach einem neuen Lieblingswort für die Olf-erfreute Leserschaft. Zur Repetition: Einen Olf dünstet ein sauberer Normmensch aus, der am Tag 0,7 Duschbäder nimmt (starker Raucher: 25; rackernder Fußballer nach dem Schlusspfiff: 30). Und mindestens hundert Olf stark riecht es nach der Meisterschaft für den FC Bayern München.

Die Bayern sind einfach zu stark für die Liga. Zwar führt noch Bayer, aber das junge Team kann mit seiner labilen Spielfreude einfach nicht gegen das überlegene Potenzial und die innere Souveränität der Münchner anstinken. Sind nur Poschmänner.

Geschrieben von gw am 7. Februar 2010. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Sport-Stammtisch

Die Flugangst des Paolo Guerrero (und von gw) beschäftigt unsere Leser in einem Maße, das in mir den klammheimlichen Verdacht aufkeimen lässt, einer Volkskrankheit auf die Spur gekommen zu sein. Danke, liebe Schicksalsgenossen, für Trost und Zuspruch.

Geschrieben von gw am 5. Februar 2010. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Sport-Stammtisch (Flugangst)

Dennis Bergkamp war einer der besten Fußballer der Welt. Dennoch glich die Karriere des begnadeten Holländers keinem Höhenflug, denn er flog nicht. Wenn sein FC Arsenal zu Auswärtsspielen abhob, blieb Bergkamp zu Hause. Er litt unter Flugangst. Wie der HSV-Spieler Paolo Guerrero, der in Peru festsitzt, obwohl er in Lima schon fünfmal in das Flugzeug eingestiegen ist. Stets trieb ihn die Panik wieder hinaus.
*
Pathologische Flugangst verhält sich zum üblichen mulmigen Rumoren, das fast jeder vor dem Start hat, wie das Gefühl vor dem Gang in einen Käfig wilder Tiger zum Streicheln kleiner Schmusekätzchen.
*
Auf dem Weg nach Mallorca kam einst eine Fußballmannschaft aus dem Raum Fulda nur bis zum Nürnberger Flughafen, genauer: in ein dort startbereites Flugzeug. Polizei stürmte das Flugzeug und verdonnerte die volltrunken randalierenden Fußballer zur Höchststrafe: Heimreise per Zug nach Fulda. Ein Sprecher der Kicker bestritt empört das Delikt: Er habe Flugangst, »und da gehört es zum Ritual, mich vorher etwas zu betrinken«. Der Pilot habe spießig überkorrekt Anstoß an seiner offenen Hose und seiner Fahne genommen, was auch seine Fußballfreunde empört habe, was deutlich artikuliert wurde. Deswegen gleich die Polizei zu rufen, »das war vom Piloten nicht korrekt«.
*
Aber was tun gegen echte Flugangst? Als wirksamstes Mittel gilt die umfassende Information über all das, was sich im Flugzeug abspielt. In besonders guter Absicht packte dies der »Trierische Volksfreund« in eine Schlagzeile, die Flugpaniker aber nicht unbedingt beruhigen dürfte: »›Wir stürzen ab‹ – Gezielte Information kann Flugangst mindern.«
*
Sie lachen? Ich nicht. Als Panikbruder im Geiste von Bergkamp und Guerrero verstehe ich bei diesem Thema keinen Spaß. Nie werde ich diesen fürchterlichen Geburtstag vergessen, als ich mir das Geschenk eines ansonsten sehr lieben Menschen anschaute, die erste Staffel einer US-Fernsehserie mit dem Titel »Lost«. Ich stoppte die Wiedergabe, schweißgebadet und angstgeschüttelt. In der Serie geht es um die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes, und in der ersten Folge stürzt dieses Flugzeug ab, minutenlang und mit all dem Horror, den sich jeder, der Angst vorm Fliegen hat, nur zwangsvorstellen kann.
*
Da ich durch Guerrero einen Rückschlag erlitten hatte, wollte ich meine eigene Flugangst jetzt im Internet bekämpfen. Ich landete bei einem Flugangst-Psychologen, der mir versicherte: »Wir wollen Ihnen zeigen, woher Ihre Flugangst kommt und was Sie gegen die Angst vorm Fliegen tun können.« Ich ließ mich darauf ein. Zunächst einmal wird erklärt, »wenn Sie unter Flugangst leiden, dann werden Sie vor und während des Fluges einige der folgenden Reaktionen verspüren.« Und jetzt geht’s los: »Sie fühlen Angst oder gar Panik, Furcht, verrückt zu werden oder zu sterben. Sie sind nervös, gereizt und übersensibel gegenüber Geräuschen und Gerüchen. Sie haben Angst, einen Herzinfarkt zu bekommen. Sie verspüren ein Zittern, Anspannung, innere Unruhe, ein Vibrieren der Unterkiefers, Übelkeit, kalte Füße und Hände, ein Prickeln in Füßen und Händen, Benommenheit, Verschwommenheit vor den Augen, Unwirklichkeitsgefühle, Schweißausbrüche, Ohrensausen, Magenschmerzen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Atemnot, weiche Knie, Schwindelgefühle, Mundtrockenheit, Harn- oder Stuhldrang, Ohnmachtsgefühle. Sie kauen Nägel, lecken sich häufig über die Lippen, trommeln mit den Fingern. Sie haben den Impuls, am liebsten weglaufen zu wollen.«
*
Jajaja! Genau! Und alles zusammen! Aber jetzt die gute Nachricht des Online-Psychologen: »Diese Reaktionen sind völlig normal. Ihr Körper hat gute Gründe, in dieser Art und Weise zu reagieren.« – Kein Wunder, dass Guerrero immer wieder aussteigt.
*
Ich kenne ja ein absolut wirksames Mittel gegen die Flugangst. Hab’s aber nur einmal getestet. Lang ist’s her. Die deutsche Leichtathletik-Nationalmannschaft flog von Frankfurt nach New York, zu einem Länderkampf gegen die USA. An Bord waren auch drei Mannschaftsärzte. Jedem einzelnen von ihnen vertraute ich unter dem Siegel der Verschwiegenheit meine Flugangst an und bat um ein hochdosiertes Beruhigungsmittel. Ein jeder gab mir, was ich benötigte, warnte aber, es sei wirklich sehr hoch dosiert, das müsse eine Ausnahme bleiben. Mit der dreifachen Hochdosis sank ich halb betäubt auf meinen Sitz und verschlief angstfrei den kompletten Flug.
*
Die drei Mediziner schlugen mir nach der Landung laut lachend auf die Schulter und bekannten, ein Mannschaftskamerad habe ihnen von meiner Flugangst erzählt und dass ich mich dreifach ruhigstellen lassen wollte. Sie hätten mir Vitamin C gegeben. Placebos wirken – aber nur, wenn man nicht weiß, dass sie Placebos sind.
*
Aber vielleicht weiß Guerrero ja nichts davon? Einen letzten Versuch wäre es wert. Sonst müsste zum allerletzten Mittel gegriffen werden: 26-Tage-Trip auf einem Frachter durch den Panama-Kanal Richtung Hamburg, mit Zwischenstopp auf Jamaika. Der HSV zieht dieser Weisheit letzten Schluss tatsächlich ins Kalkül.
*
Ich weiß ja nicht, wie Guerrero wirklich gestrickt ist – aber wenn er nicht nur ein Bruder im Flugangst-Geiste ist, … also ich jedenfalls träume schon lange von einer solchen wunderbaren Reise. (gw)

Geschrieben von gw am 3. Februar 2010. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Ohne weitere Worte

Einfach hatte es sich van Nistelrooy schon 2001 bei seinem Start auf der Insel nicht gemacht. Dort wurde er bei seiner Präsentation gefragt, ob United sein Traumverein sei. Die verblüffende Antwort. »Nein, ich war noch nie ein Fan von Mannschaften außerhalb der Niederlande.« (Kicker)

Alles ist neuerdings ein Prozess, von der Wiege bis zur Bahre. Früher sprach man von Geburt und Tod, heute von Geburtsprozess und vom Sterbeprozess. (…) Selbst schlichte Fußballer sind heute multipel gecoacht und sagen dann fehlerfrei Sätze auf wie »Jedes Spiel ist ein Schritt in unserem Prozess«, so Bayern-Trainer Louis van Gaal nach dem Spiel gegen Juventus Turin. Und man kann nur hoffen, dass die Italiener dieses Interview nicht gelesen haben. Die denken bei »processo« erst mal ans Strafrecht, an Berlusconi und an Mafia. (Ursula-Ott-Kolumne in chrismon)

Geschrieben von gw am 1. Februar 2010. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Archiv

Februar 2010
M D M D F S S
« Jan    
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
-->

Mittelhessenkrimi von gw