Bund der Steuerzahler

Jedes Jahr im Herbst erfreut und empört uns der Bund der Steuerzahler mit seinem Schwarzbuch, in dem die absurdesten Steuerverschwendungen angeprangert werden. Das gibt immer ein paar schöne Schlagzeilen. Aber was ist das eigentlich für ein Bund? Ein stinknormaler Verein, ein eV, der seine eigenen Ziele vertritt. Kurz gesagt: Weniger Staat, weniger Steuern. Seine „Mitglieder (bestehen) zu 60 bis 70 Prozent aus Unternehmen des gewerblichen Mittelstandes“ (Wikipedia), gehören zu den reicheren Menschen des Landes und in großen Teilen zur FDP-Klientel.

Der Bund der Steuerzahler steht im Lobby-Register des Bundestags. Was nicht ehrenrührig ist. Aber dass der BdSt die Interessen aller Steuerzahler  vertrete, gehört zu den vielfältigen Märchen der bundesdeutschen Interessengesellschaft. Weniger Steuern, weniger Staat – das ginge auf Kosten der zweiten Hälfte und vor allem des letzten Viertels der Gesellschaft. Weniger Steuern, weniger Staat – das ist die ideale Trump-Gesellschaft.

Dass der Bund der Steuerzahler nur einer von zahlreichen Vereinen ist, die vorgeben, der Allgemeinheit zu dienen und ein quasi-amtliches Image pflegen, aber nichts als Lobby-Vertreter sind, sei nur am Rande erwähnt.

Interessant ist die Mitglieder-Entwicklung. Zur Interpretation fehlen mir die Grundlagen, daher hier nur die nackten Zahlen: 2000: 426 000. 2010: 310 000. 2020:  230 000.

Geschrieben von gw am 28. Oktober 2020. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt.

Ochlokratie

Ergänzung zum „moralischen Reinheitsgebot“: Schon die alten Griechen wussten, „dass die Ochlokratie die Verfallsform der Demokratie ist, dass also die Pöbelherrschaft übernimmt, wenn die Demokratie entartet“ (Ilja  Leonard Pfeijffer, niederländischer Altphilologe und Schriftsteller, im SZ-Magazin).

Das sollten sich Demokraten aller Schattierungen zwischen (und einschließlich) links und rechts immer vor Augen halten. Entartung in Richtung Minimierung der tolerierten Meinungsvielfalt greift um sich, während gleichzeitig in Teilgebieten, viral und in echt, der Pöbel schon Gewehr bei Fuß steht (bei uns im Gegensatz zu den USA zum Glück nicht wörtlich zu nehmen).

Aber wie schnell die Übernahme gehen kann, das ist in Deutschland nicht unbekannt.

 

Geschrieben von gw am 25. Oktober 2020. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt.

„Moralisches Reinheitsgebot“

An der Gegenwartsliteratur Interessierte wissen, dass Monika Maron vom kulturpolitischen Mainstream als rechtsaußen aussortiert und abgestempelt wird. Was absurd ist. Weniger rechtsaußen als ich vaterlandsloser Geselle, unpatriotisch bis ins mittelhessische Mark, kann niemand sein – aber ich hätte kürzlich beim  Lesen eines Maron-Interviews in der „Welt“ fast jeden gesellschaftspolitischen Satz von ihr unterschreiben können. Mittlerweile hat Marons langjähriger Verlag seine Autorin wegen angeblicher Rechtslastigkeit aussortiert und rausgeschmissen. Marons Kollegin Thea Dorn wertet dies als „fatales Einschüchterungssignal“ an alle Autoren: „Wehe, ihr wandelt auf Abwegen! Wehe, ihr verstoßt gegen das moralische Reinheitsgebot!“

Das schöne Wort vom „moralischen Reinheitsgebot“ trifft die Lage im kultur- und gesamtgesellschaftlichen Mainstream so punktgenau, wie das –  nicht nur – aus rechten Ecken herausschallende dummdoofe Wort von der „Lügenpresse“ daneben liegt. Die rechte, die richtige Haltung darf  keine rechte sein, als rechts kann man aber alles einsortieren, was einem rechtschaffenen Linkssozialromantiker und Gutseinwoller nicht genehm ist.

Gerade wieder einmal gehört: „Which side are you on“ von Pete Seeger. Uralt, aber aktuell in der Aussage: Auf welcher Seite bist du? Auf der guten, auf meiner, oder auf der bösen? Dazwischen gibt es nichts, obwohl dazwischen alles ist. Aber wer das sagt oder schreibt, sitzt sofort zwischen den beiden einzigen Stühlen im Saal. Rumms.

In den Rezensionen des neuen Romans von Maron („Artur Lanz“) überwiegt wie schon im vorigen (»Munin oder Chaos im Kopf«/ich hatte mal in der Kolumne versehentlich „Mumin“ geschrieben, sorry) die politische Einsortierung der Autorin. Das literarische Gewicht spielt eine untergeordnete oder fast keine Rolle. Dabei hätten die Kritiker hier einen Ansatzpunkt, der die Autorin treffen würde, ganz im Gegensatz zur Verortung als Rechtsaußen. Denn da ich, vielleicht im Gegensatz zu manchem ihrer Kritiker, beide Romane gelesen habe, sogar gerne gelesen, habe ich das Gefühl, dass Monika Marons dichterische Schaffenskraft im Munin ein wenig und im Lanz deutlich unter den äußeren Umständen gelitten hat. Die Eindimensionalität der laufenden Debatte macht sich in einer Minderung der Vielschichtigkeit und der Unbenennbarkeit bemerkbar, die große Literatur auszeichnet. Leider, aber vielleicht unvermeidlich, wenn man derart prominent in die Kampfzone gerückt wird.

Geschrieben von gw am 25. Oktober 2020. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt.

Hummels und Favre

„Überraschend: Favre wechselt erstmals seit November 2019 auf Viererkette“, schreibt Bild online zum Derby und zitiert gleich anschließend Mats Hummels: „Ich habe unter der Woche mit dem Trainer gesprochen, wir brauchen einen Spieler mehr in der Offensive.“

Hummels weiß, was er sagt. Vorausgesetzt, er ist korrekt zitiert, könnte man fragen, wer das Sagen hat. So gelesen ein vergifteter Satz.

„Ich habe mit dem Trainer gesprochen“ …

Geschrieben von gw am 25. Oktober 2020. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt.

Andreas Kautz: Sergio und der FCK (zum Einwurf-Fairness-Thema in Blog und Kolumne)

Kleiner Nachtrag aus dem Gedächtnis als Augenzeuge im Ulrich Haberland Stadion ( könnte aber auch schon die Arena gewesen sein)
Ich bin (fast ) sicher Sie haben Recht.
Kadlec schießt den Ball ins Aus und Sergio wirft ihn nicht zurück zu einem FCK-Spieler.
Resultat: Das Tor durch Münch und der erste Abstieg des FCK … (weiter in der Rubrik rechts „Mailbox“)

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Ja, ich hab’s gegoogelt, wie im Blog versprochen. Unser Gedächtnis trügt nicht. Sergio!

Geschrieben von gw am 23. Oktober 2020. Abgelegt unter Blog – Sport, Gott und die Welt.