Anstoß: “Keeper” – ein (nicht nur) Jugendbuch

»Für meine Kinder und andere Fans« hat der Engländer Mal Peet seinen »Keeper« geschrieben (Carlsen - 7,20 Euro - ISBN 978-3-551-35698-79). Der Roman (nicht nur) für Jugendliche wurde 2007 für den Deutschen Jugendbuchpreis nominiert, bekommt nun aber durch diverse Pannen junger deutscher Nationaltorhüter (Adler, Neuer) einen aktuellen Bezug, zumal auch gestandene Größen wie der alte Grantler Lehmann und der alte Schweiger Butt Unsicherheiten zeigen, die den – verdienten/unverdienten? – Ruf deutscher Torhüter nicht gerade bestätigen.

Geschrieben von gw am 10. März 2010. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Ohne weitere Worte

Es ist ein extrem harter Männersport. Im Grunde geht es darum, den Gegner vor aller Augen aus Nahdistanz an die Latte zu nageln. Attacken von hinten sind ausdrücklich erwünscht. Weil Rasenheizungen dafür nicht benötigt werden, tut der DFB auch etwas für seine Klimabilanz. (»Mielke murrt« in der Welt am Sonntag über »Das Spitzenspiel der Unparteiischen«)

Im Praxistest für gelebte Toleranz bei der sehr persönlich geprägten Auseinandersetzung unter Schiedsrichtern mit homosexuellen Neigungen ist der DFB-Präsident (…) auf erschütternde Weise durchgefallen. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung unter der Überschrift »Der Schlimmermacher«)

Geschrieben von gw am 8. März 2010. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Montagsthemen

Outing ist »in«. Also: Ich gebe zu, mir reicht’s mit dem Wintersport. Prompt folgt die Strafe fürs Outing: Zwar schmilzt der Sport langsam zusammen, aber der Winter kommt mit Macht zurück. Da wär’ mir’s umgekehrt ja noch lieber!

Ich oute mich freiwillig, beim DFB wird zwangsgeoutet. Der dubiose Deal mit Amerell läuft darauf hinaus, dass der DFB-Boss dem auf Vergeltung sinnenden »sexuellen Belästiger« (die Behauptung ist seit Donnerstag gerichtlich legitimiert) diejenigen Schiedsrichter namentlich ausliefert, die aus gutem Grund anonym bleiben

Wer ein reiches Repertoire an Sonntagspredigten (Enke! Ehrlichkeit! Toleranz! Schutz von Minderheiten!) sein ureigen nennt, muss sich an einem Wort von Titus Livius messen lassen: »Ex factis, non ex dictis amici pensandi.«

Geschrieben von gw am 7. März 2010. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Sport-Stammtisch

Welcher Schiedsrichter hat denn nun die Arschkarte gezogen? Was als schmuddelige Anspielung auf die aktuelle DFB-Affäre missverstanden werden könnte, ist harmloser Wissensdrang, denn eine der vielen seltsamen Mythen der Neuzeit will wissen, dass die »Arschkarte« tatsächlich zuerst von einem Schiedsrichter gezogen wurde: Irgendwann im letzten Jahrhundert, als es schon rote und gelbe Karten, aber noch kein Farbfernsehen gab, begannen die Schiedsrichter, zur besseren Unterscheidung für den Fernsehzuschauer, gelbe Karten aus der Brust- und rote aus der Gesäßtasche zu ziehen.
*
Ob’s stimmt? Es gibt so viele Mythen der Neuzeit. Zum Beispiel, passend zur Arschkarte, die erstaunliche Tatsache, dass der Mensch im Mund mehr Bakterien hat als im After. Interessant auch die Medecophobie, die Angst, andere könnten an der Ausbeulung der Hose die eigene Erektion erkennen, eine Furcht, die momentan in gewissen Schiedsrichterkreisen grassieren soll. Hübsch auch, als Nachtrag zu Winterolympia: Das Eisbein heißt Eisbein, weil früher aus Röhrenknochen von Schweinen Schlittschuhe gemacht wurden. Und: Elefanten wachsen ihr ganzes Leben lang (kein Wunder, dass sie so groß werden!)

Geschrieben von gw am 5. März 2010. Abgelegt unter gw-Beiträge Anstoß.

Eintracht-Tagebuch - Eintrag vom 3. März 2010

Liebes Eintracht-Tagebuch,
hab ich Dir eigentlich schon mal erzählt, was meine Lieblingsfarbe ist? Blau! Das war schon als kleines Kind so und hat sich bis heute nicht geändert. Ich hatte blaue Pullis, blaue Socken, eine blaue Mütze, ja sogar einen blauen Schlitten. Als Jugendlicher dann trug ich irgendwann nur noch blaue Hemden oder T-Shirts sowie Bluejeans. Meine Lieblingscomicfiguren waren die Schlümpfe, und aufgrund meiner Sportbegeistertheit hatte ich immer reichlich vorzeigbare blaue Flecken.
Später kamen dann aufgrund meiner nicht weniger großen Begeisterung für Mädchen (vor allem für die, bei denen ich keine Chance hatte) jede Menge blauer Augen dazu, was wiederum dazu führte, dass ich aufgrund meiner ziemlichen Blauäugigkeit und den daraus resultierenden Enttäuschungen gern ab und zu mal ziemlich blau war!
Meinen ersten eigenen VW-Bus strich ich im Hof mit knallhellblauem Heizungslack an, und wenn ich heute mit dem Computer irgendwelche Texte schreibe, wähle ich als Schriftfarbe fast immer Blau.
Eigentlich komisch, denn genau betrachtet ist Blau keine besonders warme sondern eher kalte Farbe. Aber das scheint nicht nur mich nicht wirklich zu stören, auch viele andere Menschen setzen auf Blau. In Taiwan zum Beispiel steht sie für Demokratie (Pan-blaue Koalition), das Blaue Band ist eine Ehrung für das schnellste Schiff auf der Transatlantik-Route, und die Friedenstruppen der Vereinten Nationen tragen Blauhelme und heißen auch so.
Die Blaue Mauritius ist eine der begehrtesten Briefmarken der Welt, so wie Blaualgen Bakterien mit der Fähigkeit zur oxygenen Photosynthese sind … und wer kann das schon von sich behaupten?! Nicht fehlen darf hier natürlich der ausgesprochen beliebte blaue Montag, gern auch kombiniert mit einem spontanen Ausflug ins Blaue.
Du siehst, liebes Tagebuch, es wimmelt nur so von positiven Betrachtungsmöglichkeiten. Aber selbst für mich gibt es so etwas wie eine blaue Grenze! Wo mich diese eigentlich so ansehnliche Farbe anfängt zu nerven. Schalke 04 ist so eine Grenze. Kein Verein in Deutschland steht mehr für Blau als die Gelsenkirchener. Was ihnen prinzipiell durchaus zu gönnen wäre. Das Unangenehme bei Schalke ist nur, dass sie Blau beziehungsweise Königsblau nicht einfach als ihre herkömmliche Vereinsfarbe betrachten – nein, der Schalker an und für sich behauptet, dass er die Farbe erfunden hat und sie ihm deshalb gehört! In dem Zusammenhang sei übrigens erwähnt, dass der Kinoblockbuster »Avatar« weltweit die meisten Zuschauer in Gelsenkirchen hatte, da man dort davon ausgeht, dass diese blauen Fabelwesen futuristische Schalke-Fans sind. Was nicht verwundert bei einem Verein, der als Einziger auf eine jahrtausendealte Tradition zurückblicken kann, der mit weitem Abstand die besten Fans der Welt hat und von der eigenen Wahrnehmung her seit Bestehen der Bundesliga durchgehend Meister hätte sein müssen.
Versteh mich nicht falsch, Tagebuch, die aktuelle Mannschaft spielt absolut anerkennenswert, und mit Felix Magath haben sie definitiv einen der allerbesten Fußballlehrer überhaupt geholt. Auch wenn sein Billigen der Spuckattacken auf Albert Streit vor ein paar Monaten eine erste Delle in meinem Bild von ihm hinterlassen hat, und sein beleidigtes Interview bei Sky nach dem Derbysieg gegen Dortmund mit »albernem Jammern auf allerhöchstem Niveau« noch harmlos beschrieben ist. Trotzdem – an der Mannschaft und ihrem Trainer liegt es nicht!
Es ist dieser traditionelle und unreflektierte Hochmut, der es Menschen, die keine Schalke-Fans sind, so schwer macht, diesen Verein richtig zu mögen! Wenn ich mir für Samstag einen Sieg gegen eben jenes Schalke wünsche, dann allerdings weniger aus Antipathie für den Gegner, sondern vor allem aus Sympathie für das eigene Team. Die Mannschaft hat uns in den letzten Wochen mehr gegeben, als wir das erwarten konnten. Trotz Dauerverletzten, trotz dem ständigen Rumgeskibbe in Richtung Bruchhagen usw.
Ernsthaft von der Europa League zu reden, halte ich zwar für dezent vermessen, aber möglichst viele Spiele auf Augenhöhe gegen die vermeintlich Unerreichbaren sind nicht zu unterschätzende Wegweiser für die Zukunft! Schon deswegen, liebes Tagebuch, wünsche ich uns allen ein großartiges Heimspiel! Und den Schalkern ein Wunder! In ihrer Vereinsfarbe! In diesem Sinne! Hendrik Nachtsheim

Geschrieben von Henni Nachtsheim am 2. März 2010. Abgelegt unter Mein Eintracht-Tagebuch.

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